Wien (ag/höll). Schlechte Zeiten für Sparer: Die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte auch bei ihrer heutigen Sitzung in Frankfurt nicht an der Zinsschraube drehen und den Leitzins bei einem Prozent belassen. Die Finanzagentur Reuters hat 78 Ökonomen internationaler Großbanken zu ihren Zinsprognosen befragt. Demnach erwartet der Großteil der Experten, dass die EZB das aktuelle Zinsniveau bis zum Ende des dritten Quartals 2010 beibehält. Erst Ende kommenden Jahres soll es eine Anhebung auf 1,5 Prozent geben.
Bereits gestern tagte die US-Notenbank (Fed). Die Sitzung war zu Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht zu Ende. Doch die Experten waren einhellig der Meinung, dass der Leitzins in den USA vorerst auf dem historisch niedrigen Niveau von 0,0 bis 0,25 Prozent bleiben wird.
Warnung vor Spekulationsblase
Allerdings könnte die Fed nach Einschätzung von Volkswirten ihren Kommentar zur Zinsentscheidung etwas abändern. Beobachter erwarten, dass die Fed nicht mehr von einem „ausgedehnten Zeitraum“ außergewöhnlicher niedriger Leitzinsen sprechen wird. Einige Fed-Vertreter haben zuletzt angedeutet, dass in absehbarer Zeit eine Anhebung bevorsteht. Auf einen konkreten Zeitpunkt wollten sie sich aber nicht einlassen. Die Analysten der deutschen Postbank vermuten, dass es in den USA im Frühjahr 2010 zu einer Zinserhöhung kommen wird.
Die niedrigen Zinsen verführen Anleger zu mehr Risiko. Denn niemand möchte sein Geld für 0,5 Prozent oder 1,5 Prozent Jahreszins hergeben. „Durch den Zinssatz der Notenbanken wird das Risiko der Anleger gesteuert“, sagt der Verhaltensforscher des Max-Planck-Instituts, Gerd Gigerenzger.
Bei niedrigen Zinsen riskieren Anleger mehr. Der US-Ökonom Nouriel Roubini befürchtet sogar, dass die US-Notenbank eine „neue Monsterblase schafft“. Wer im März Aktien kaufte, verzeichnete Kurszuwächse von 50 bis 70 Prozent. Beflügelt von diesem Aufschwung würden daher immer mehr Investoren Aktien, Unternehmensanleihen und Rohstoffe erwerben. „Damit werden die Preise weit über das hinausgetrieben, was durch die wirtschaftlichen Fundamentaldaten oder die Wachstumsaussichten gerechtfertigt ist“, meint Roubini. Je länger die Notenbanken die derzeitige Zinspolitik beibehalten, desto größer werde der darauffolgende Zusammenbruch. „Die Fed und andere politische Entscheider scheinen sich nicht bewusst zu sein, welch eine Monsterblase sie erschaffen“, so der US-Ökonom.
Im Vorfeld der Zinsentscheidungen ging es am Mittwoch mit den Aktienmärkten aufwärts. Die Investoren deckten sich wegen der erfreulichen Unternehmenszahlen mit Aktien ein. Im Bankensektor sorgte Societe Generale, Frankreichs zweitgrößte Bank, für gute Stimmung. Das Institut hatte für das dritte Quartal einen Gewinn von 426 Mio. Euro vorgelegt. Der Aktienkurs legte 5,5 Prozent zu.
