Pressburg. Als Gesprächsthema gegenüber den österreichischen Nachbarn finden auch slowakische Politiker das Bekenntnis zu alternativen Energiequellen ganz nett. Aber wenn es ernsthaft um die Energieversorgung geht, ziehen sie dann doch „vor allem klassische Energiequellen“ vor. Neben fossilen Brennstoffen und immerhin auch Wasserkraft ist damit zuallererst Atomkraft gemeint. So ist es auch in der offiziellen „Strategie zur Energiesicherheit der Slowakei bis zum Jahr 2030“ festgelegt. Das bestätigte dieser Tage wieder einmal Wirtschaftsminister L‘ubomír Jahnátek, der für die Energiepolitik des Landes hauptverantwortlich ist. Mit verstärkten Investitionen in Biomasse, Sonnenenergie und andere alternative Energiequellen wolle die Slowakei lieber abwarten, bis diese Technologien „ausgereifter“ seien, erklärte der Minister.
Atom gegen Stromlücke
Für den akuten zusätzlichen Strombedarf der Slowakei infolge der mit der EU vereinbarten Schließung zweier Atomkraft-Reaktoren in Jaslovské Bohunice seien hingegen neue Atomkraftwerke der zuverlässigere Weg. Auch folge die Slowakei damit dem weltweiten Trend einer Atomkraft-Renaissance infolge globaler Energieknappheit.
Die beiden Bohunice-Schließungen, die die Slowakei fast über Nacht wieder abhängig von Stromimporten gemacht haben, empfinden Oppositionelle wie Regierungspolitiker in sonst seltener Einhelligkeit als eine Art nationales volkswirtschaftliches Trauma. Dass das schnelle Überwinden dieser Notsituation wichtiger sei als „langfristigere“ internationale Ziele wie die Erhöhung des Anteils an erneuerbaren Energiequellen gilt als Konsens. Im Land gibt es kaum ernsthaften Widerstand gegen die Atompläne der Regierung.
Konkret plane die Slowakei neben der Fertigstellung zweier bereits seit Jahren in Bau befindlichen Atomreaktoren in Mochovce den vom Ministerrat bereits abgesegneten Bau eines völlig neuen Atomkraftwerks in einem zeitlichen Horizont bis zum Jahr 2020 oder 2025, kündigte der Minister gegenüber den Medien an. Als vermutlich rentabelster Standort dafür zeige sich vorläufig Jaslovské Bohunice, weil dort die Infrastruktur der stillgelegten alten Kraftwerke teilweise genützt werden könne.
Kritik aus Österreich
Die Wiederaufnahme des seit 1992 wegen Geldmangels unterbrochenen Baus des dritten und vierten Reaktorblocks in Mochovce stößt insbesondere in Österreich auf massive Ablehnung. Dementsprechend unterschiedlich wurden daher auch in Österreich und in der Slowakei die im Juli veröffentlichten Empfehlungen der Europäischen Kommission zu Mochovce gelesen: Während österreichische Medien vor allem darauf hinwiesen, dass die EU-Kommission eine Erhöhung der geplanten Sicherheitsstandards des AKW fordere, berichteten slowakische Medien durchwegs über eine „Zustimmung der EU-Kommission zum Mochovce-Fertigbau“. Die von der Kommission eingemahnten zusätzlichen Sicherheitsvorkehrungen, tat man hingegen als reine Empfehlungen ab.