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Foodwatch: "Biosprit ist ein Irrweg"

19.08.2012 | 10:21 |  (DiePresse.com)

Der Geschäftsführer der Verbraucherorganisation Foodwatch kritisiert, dass die Biosprit-Strategie die Lebensmittelpreise in die Höhe treibe.

Für den Geschäftsführer der Verbraucherorganisation Foodwatch, Thilo Bode, ist die gesamte Biosprit-Strategie ein Menschenleben gefährdender Irrweg. Das zeige sich gerade jetzt bei der akuten Getreideknappheit. Das Perverse daran sei, dass der Steuerzahler dies mit hohen Subventionen auch noch bezahlen müsse, kritisiert er im Interview mit der dpa: "Generell ist Biosprit ein Irrweg, sowohl in Deutschland als auch in den USA, wo bereits rund 40 Prozent der Maisernte für die Ethanolproduktion verwendet werden. Das ist eine Flächenkonkurrenz zum Nahrungsmittelanbau und treibt erwiesenermaßen im Weltmaßstab die Preise nach oben."

Ein Anstieg der Lebensmittelpreise sei "für uns nicht ein so großes Problem ist, aber in armen Ländern schon, weil die Menschen dort dann nicht 10, sondern bis zu 70 Prozent ihres Einkommens für Essen ausgeben. Wir haben 2007, 2008, 2010 und 2011 gesehen, dass dann Millionen Menschen an Hungerkrisen leiden. Das macht daher überhaupt keinen Sinn. Das ist eine Subvention für die Agrarlobby und eine Beruhigungspille für die Autolobby."

Die Biosprit-Strategie in Europa sei in erster Linie deshalb aufgelegt worden, weil die EU Vorschriften zur Reduktion des CO2-Ausstoßes von Autos erlassen habe. Die Autoindustrie habe es geschafft, diese Zielvorgaben aufzuweichen, indem sie gesagt habe, man wolle einen bestimmten Prozentsatz dieser Minderung durch Biosprit abdecken. "Dieser Lobbyversuch ist schon aus dem Grund zweifelhaft, weil wir inzwischen wissen, dass durch Biosprit keine CO2-Emissionen eingespart werden."

"Aufhören, immer größere Autos zu bauen"

Auf die Frage nach einer Alternative zur Ethanol-Beimischung erklärte Bode, dass es noch signifikantes Potenzial zur Verbrauchsreduktion bei Verbrennungsmotoren gebe, auch ohne auf Fahrkomfort zu verzichten. Als erster müsse man aufhören, immer noch größere und schwerere Autos zu bauen, "dann braucht man diesen Sprit gar nicht. In den USA ist es zu dieser Ausweitung ja in erster Linie gekommen, weil man die Handelsbilanz entlasten und daher nicht mehr so viel Öl importieren will."

In Deutschland komme verschärfend der massive Maisanbau für mehr als 7.100 Biogasanlagen, die über den Strompreis gefördert werden. "Das würde ja alles gar nicht vonstattengehen, wenn der Steuerzahler nicht zur Kasse gebeten würde, um diese Aktivitäten zu subventionieren. Wir müssen nur die Subventionen streichen, dann hat dieser ganze Unsinn ein Ende. Das ist künstlich durch Subventionen aufgebaut worden und bringt nun Menschen zu Schaden. Der Kauf von Land durch Investoren hat durch die Subventionen in Deutschland zugenommen, und es wird wie blöd Mais angebaut. Es ist pervers, dass dies alles durch Steuergelder finanziert wird."


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