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Chinesen zocken heimische Firmen ab

20.08.2012 | 18:10 |  (Die Presse)

Weil diese Betrügereien zugenommen haben, veröffentlicht die Wirtschaftskammer eine Liste von chinesischen Scheinfirmen, die sich aggressiv um Vertragsabschlüsse mit österreichischen Unternehmen bemühen.

Wien/Höll- Trotz Warnungen fallen noch immer viele Privatpersonen auf die sogenannte „Nigeria Connection“ rein. Dabei werden E-Mails – meist von Absendern aus Nigeria – an tausende Österreicher versandt, die eine größere Provision versprechen, wenn man ihnen hilft, Geld außer Landes zu schaffen. Wer darauf eingeht, wird aufgefordert, eine „geringe Gebühr“ für Überweisungs- oder Anwaltskosten zu zahlen. Jüngst verlor eine Oberösterreicherin auf diese Weise 6000 Euro.

Um größere Beträge dürfte es bei chinesischen Unternehmen gehen, die nun im großen Stil österreichische Geschäftspartner abzocken wollen. Weil diese Betrügereien zugenommen haben, hat die Wirtschaftskammer Österreich im Internet eine Liste von 29 chinesischen Scheinfirmen veröffentlicht.
Die Gesellschaften haben meist seriös klingende Namen. Manche von ihnen sind ordnungsgemäß bei den chinesischen Behörden registriert und verfügen über eine offizielle Außenhandelsberechtigung beim Zoll.

Die Betrugsfälle laufen im Regelfall nach dem gleichen Muster ab: Die Chinesen kontaktieren Firmen im Ausland und stellen eine große Bestellung oder eine Kooperation in Aussicht. Dabei handelt es sich um keine kurzen Routine-Emails, sondern die Chinesen investieren in die Korrespondenz mit den österreichischen Firmen viel Zeit und Detailarbeit.

Böse Überraschung in China

Vertreter der österreichischen Firma werden schließlich nach China eingeladen, um die letzten Einzelheiten zu besprechen und den Vertrag zu unterzeichnen. In China sieht zunächst alles seriös aus. Die Österreicher werden anfangs hofiert. Doch beim Geschäftsessen kommen die Chinesen mit diversen Forderungen. Sie bitten die ausländischen Geschäftspartner beispielsweise, Kosten für einen angeblichen Notar oder für die Vertragsarbeiten zu übernehmen. Auch von Provisionszahlungen für Behörden oder den Zoll ist die Rede. Da die Österreicher schon in China sind und Angst haben, dass ihnen der Auftrag durch die Lappen geht, steigen einige darauf ein und zahlen. Das System besteht darin, dass das Geschäft niemals abgeschlossen wird und dass immer höhere Kosten entstehen.

Laut Angaben der Wirtschaftskammer ist es bereits „zu konkreten Schadensfällen“ gekommen. Details dazu sind nicht bekannt. Zuletzt gab es eine Handelsfirma in Xi'an, die sich „sehr aggressiv“ um Vertragsabschlüsse mit österreichischen Unternehmen bemüht. Die Vertreter dieser Firma schlugen sogar vor, zur Vertragsunterzeichnung nach Österreich zu kommen. Die Wirtschaftskammer empfiehlt, von der Ausstellung von Einladungsschreiben Abstand zu nehmen.

Es dürfte aber nicht nur Opfer aus Österreich geben: Auch die deutsche Industrie- und Handelskammer schlug vor Kurzem Alarm.


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