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E-Wirtschaft: Ohne Netzausbau drohen Black-Outs

07.08.2008 | 18:31 |  (Die Presse)

Laut Strombranche wird der Ausbau künstlich verzögert. Die E-Wirtschaft fordert daher seit langem die Fertigstellung des sogenannten 380-kV-Ringes rund um Österreich.

Wien (jaz). Bislang sei die österreichische Stromwirtschaft „nur durch Glück an der Katastrophe vorbeigeschrammt“, sagte Kelag-Vorstand Hermann Egger am Mittwochabend vor Journalisten. „Im Vorjahr war es bei einem Black-Out in Norditalien aber bereits sehr knapp, dass es auch bei uns finster wird.“ Der Grund dafür sei der fehlende Netzausbau – vor allem auf der 380-kV-Ebene. Denn in diesem Hochspannungsbereich würden die Genehmigungen seit Jahren künstlich verzögert.

Der Großteil des überregionalen heimischen Netzes wurde in den 60er- und 70er-Jahren gebaut. Seither hat sich die Situation in der Energiewirtschaft jedoch deutlich geändert. So hat sich der Verbrauch der elektrischen Energie seit dem Jahr 1970 etwa verdreifacht. Zusätzlich wird das Netz durch den zunehmenden Stromhandel in Folge der europaweiten Liberalisierung belastet. Und auch der Ausbau der erneuerbaren Energieproduktion trägt dazu bei, dass die Netze immer häufiger an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen. Denn die heimischen Windkraftwerke befinden sich vor allem im Osten Österreichs. Damit die Österreicher aber auch bei Windstille ihre Elektrogeräte verwenden können, benötigt man sogenannte „Ausgleichsenergie“. Diese kommt von Speicherkraftwerken, die im Westen des Landes stehen.

 

Problem 380-kV-Leitungen

Die E-Wirtschaft fordert daher seit langem die Fertigstellung des sogenannten 380-kV-Ringes rund um Österreich. Insgesamt wollen die Stromkonzerne in das heimische Netz bis 2015 eine Mrd. Euro investieren. Bislang verzögern sich aber sämtliche Bauprojekte an den Widerständen der betroffenen Anrainer. „Bereits im Normalfall dauert die Genehmigung einer neuen Leitung zehn Jahre. Bei der Steiermark-Leitung (einem Teil des 380-kV-Rings, Anm.) waren es aber sogar 20 Jahre“, sagt Heinz Kaupa von der Verbund-Netztochter APG.

Die Genehmigungsverfahren könnten von den Bau-Gegnern dabei künstlich verzögert werden, so der Vorwurf der E-Wirtschaft. „Bis zur Ausstellung des Bescheids können auch nach der Verhandlung ständig neue Eingaben gemacht werden. Und dann muss ein neues Gutachten erstellt werden, und schon ist ein Jahr vorüber“, sagt Egger. Dies gehöre von der Politik geändert. Außerdem sollten die Bau-Korridore frei gehalten werden, so Kaupa. Denn bislang werde auch unter bestehenden oder in Bau befindlichen Leitungen Grünland in Bauland umgewidmet und Häuser gebaut.
Kommentar Seite 35

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