Wien (eid). „Plan B“ – dieses Szenario will Herbert Kaufmann, der Chef des Wiener Flughafens, gar nicht diskutieren. „Plan B“ müsste aktiviert werden, wenn die AUA keinen Partner findet und ihre Kapazitäten – wie von AUA-Vorstand Andreas Bierwirth angedeutet – halbieren müsste. „Natürlich haben wir vorgesorgt, aber wir reden nicht darüber, denn wir sind der Überzeugung, dass die AUA mit ihrer Kompetenz Richtung Osteuropa einen Partner bekommt“, sagte Kaufmann am Donnerstag.
Ohne klare Präferenz für eine Fluglinie zu äußern, betonte Kaufmann, dass „für uns ein AUA-Partner wichtig ist, der auf weiteres Wachstum setzt und die Kernkompetenz der AUA in Richtung Osteuropa erhält“. Auf die jüngste Analyse der Raiffeisen Centrobank angesprochen, der zufolge die Lufthansa ein massives Bedrohungspotenzial für den Flughafen darstelle, meinte Kaufmann nur: „Große Überschneidungen des Netzwerks bieten viele Chancen, aber auch Risken.“

„Offiziell“ sei der Flughafen in den gerade laufenden Privatisierungsprozess der AUA nicht eingebunden, sagte Kaufmann und machte klar, dass eine Beteiligung des Flughafens in dem „Österreich-Konsortium“, dass die Sperrminorität bei der AUA halten soll, „derzeit nicht“ zur Debatte stehe. Nirgendwo auf der Welt sei ein Flughafen an einer Airline beteiligt. Das gehe schon allein wegen der Gleichbehandlung aller Kunden nicht. Wie berichtet, müssen sich Interessenten für die AUA bis 24. August bei der ÖIAG bzw. der befassten Investmentbank Merrill Lynch melden und das Informationsmemorandum abholen.
Nur kleine Wachstumsdelle
Ungeachtet der Luftfahrtkrise, die auch die für das Wachstum in Wien hauptverantwortlichen Billig-Fluglinien treffen wird, bleibt der Flughafen bei seiner Langzeitprognose von rund 30 Mio. Fluggästen im Jahr 2015. Heuer soll die Passagierzahl um acht Prozent auf über 20 Mio. Reisende steigen. Diese Vorhersage beinhaltet die Annahme, dass sich im zweiten Halbjahr das Wachstum etwas abschwächen wird. Im ersten Halbjahr stieg die Passagierzahl noch um 12,8 Prozent auf 9,7 Millionen.
Wachstumstreiber waren einmal mehr die Billig-Fluglinien, die ihre Passagierzahl um 55,7 Prozent erhöhen konnten. Der Marktanteil der AUA am Flughafen Wien ist zum Halbjahr mit 49,4 (54,3) Prozent erstmals unter die 50-Prozent-Marke gerutscht. Die BilligFluglinien (allen voran Air Berlin, Niki und SkyEurope) haben jetzt 23 Prozent Marktanteil.
Geld für die laufenden Großprojekte hat der Flughafen genug, wie die Umsatz- und Gewinnverbesserung (siehe Grafik) zum Halbjahr zeigt. Der neue Terminal Skylink wird allerdings wegen der höheren Stahlpreise und größerer Behördenauflagen statt 512 nun 657 Mio. Euro kosten. Die Eröffnung wird statt im Juni erst ab Oktober 2009 erfolgen. Das Ergebnis der Umweltverträglichkeitsprüfung für die geplante dritte Piste wird Mitte 2009 erwartet. Sie soll 550 Mio. Euro kosten.