WIEN(ak). „Ein aromatischer Ausdruck bester österreichischer Lebensart. Wir trinken ihn nicht pur, doch greifen gerne nach ihm, wenn Auszeit vom Alltag angesagt ist“, steht auf der Flaschenetikette. Gemeint ist der Original Stroh 80, der alkoholstärkste Inländer-Rum der Marke Stroh.
Harold Burstein, ein 50-jähriger Wiener, hat die Traditionsmarke nun von der britischen Stock Spirit Group übernommen. Der Inländer-Rum ist somit wieder in österreichischer Hand.
Die einfache Bezeichnung „Rum“ ist rechtlich gar nicht erlaubt, da der „Inländer“ nicht internationalen Standards entspricht. Der Stroh wird daher auch nicht pur getrunken, ihn findet man vielmehr im Küchenregal. Er wird hauptsächlich für Mehlspeisen oder als Zutaten für Jagertee oder heiße Schokolade verwendet.
„Rum ist nicht aromatisiert. Der Stroh ist aber aromatisiert, darum ist er eine Spirituose. Das ist unsere Einzigartigkeit“, sagte Burstein zur „Presse“. Diese österreichische Spezialität wird nun sogar von der EU geschützt. Der neue Spirituosen-Codex besagt, dass die Bezeichnungen „Inländer-Rum“ und „Jagertee“ von ausländischen Unternehmen nicht verwendet werden dürfen. Burstein sieht darin das enorme Wachstumspotenzial der Marke: „Der Name Stroh wird im Ausland sehr leicht wiedererkannt.“ Das habe ihn auch bewogen, die Marke zu 100 Prozent zu übernehmen.
Der Wiener reiht sich damit in die lange Geschichte eines österreichischen Traditionsunternehmens ein: Stroh existiert bereits seit 176 Jahren, nachdem Sebastian Stroh 1832 in Klagenfurt das Unternehmen Stroh gegründet hatte. Bei der Weltausstellung in Paris 1900 wurden ihre Liköre und Edelbrände mit „Gold“ ausgezeichnet. Der Siegeszug begann.
Dreißig Jahre später wurden 1,2 Millionen Flaschen verschiedenster Liköre produziert. Erst Anfang der Siebziger entwickelte sich der Original-Rum Stroh zum Verkaufsschlager, Stroh wurde dadurch auch international bekannt.
„Name hat emotionalen Effekt“
1995 wurde das Unternehmen vom deutschen Spirituosenhersteller Eckes übernommen, 1998 Stroh in Stock Austria umbenannt. Eckes gab die Stock-Tochter erst im Vorjahr an die britische Stock Spirit Group ab.
Vom britischen Eigentümer erwarb Burstein, der seit 2001 Geschäftsführer von Stock Austria ist, auch die Marken Mautner, Bouchet und Charly's sowie die Stroh-Produktionsstätte in Klagenfurt, die mit mehr als sechs Millionen Flaschen der größte Spirituosenhersteller in Österreich ist.
Der Name Stock Austria wird verschwinden, das Unternehmen wird in Stroh Austria umbenannt. Burstein: „Der Name Stroh hat einfach einen emotionalen Effekt.“