Finanzstaatssekretär Reinhard Lopatka (ÖVP) sieht bei den ÖBB dringenden Handlungsbedarf. Er fordert, dass eine Reform auf Basis des Unternehmensberaters Rolands Berger („Die Presse“ berichtete darüber exklusiv am 31.Oktober) umgesetzt wird. Vier Monate durchleuchteten die Experten von Roland Berger im Auftrag des Vorstands die angeschlagenen Bundesbahnen.
In dem streng geheimen Endbericht werden harte Einschnitte beim Personal gefordert. Allein im Bereich „Verschub“ sollen bis zum Jahr 2015 rund 1600Mitarbeiter abgebaut werden – das sind fast 50 Prozent der Beschäftigten. In der Sparte „Traktion“ (Lokführer) soll ein Drittel der 6324 Stellen gestrichen werden. Falls die ÖBB nicht rasch saniert werden, droht laut Roland Berger eine Entwertung des Konzernvermögens. „Der Endbericht bestätigt unsere Position“, sagt Lopatka. Damit bei den ÖBB nicht weitere Milliarden versickern, müsse endlich gehandelt werden. Der Staatssekretär fordert die Einberufung eines Bahngipfels. Dabei sollen die Experten von Roland Berger, Regierungsvertreter, Sozialpartner und Arbeitsrechtler ein zukunftsfähiges Konzept erarbeiten. Laut Lopatka befinden sich die ÖBB im Vergleich zur Deutschen und Schweizer Bahn in einem „desaströsen Zustand“.
Ähnlich äußert sich ÖVP-Verkehrssprecher Ferry Maier: „Zur Sanierung müssen die ÖBB Jobs abbauen.“ Aufgabe von Infrastrukturministerin Doris Bures (SPÖ) sei es, dem ÖBB-Vorstand den Rücken für die Umsetzung der Roland-Berger-Vorschläge zu stärken. „Die Ministerin darf nicht nur auf die Gewerkschaft hören“, so Maier. Bures verwies auf den ÖBB-Aufsichtsrat.
ÖBB-Aufsichtsratschef Horst Pöchhacker fordert die ÖVP auf, ihre Negativkampagne einzustellen: „Die ÖBB befinden sich auf dem richtigen Weg.“ Man werde sich das Roland-Berger-Gutachten in Ruhe ansehen. „Darin sind einige gute Vorschläge enthalten. Doch entscheiden muss der Vorstand.“ Die ÖBB würden beim Jobabbau auch künftig den Schwerpunkt auf natürliche Abgänge setzen. Im Vorjahr seien auf diese Weise hunderte Stellen gestrichen worden. Pöchhacker: „Man soll den Vorstand in Ruhe arbeiten lassen und nicht Panik verbreiten.“