LINZ. „Willkommen in der Quelle-Galaxie“: Zumindest in der Warteschleife der Bestellhotline ist die Welt noch immer in Ordnung.
Für die 1100 Mitarbeiter bricht sie spätestens nach der Betriebsversammlung gestern, um 9Uhr in der Früh, zusammen. Bis auf einige Außendienstmitarbeiter ist die gesammelte Belegschaft im Warenlager der österreichischen Quelle-Tochter in Linz anwesend, um zu hören, was ohnehin alle geahnt haben: Mit Quelle geht es zu Ende. Die meisten gehen danach gleich wieder an die Arbeit, wozu sie das alles noch tun, das wissen sie nicht. Am ehesten vielleicht, um „das Unternehmen erhobenen Hauptes zu verlassen“, wie Betriebsratschef Felix Hinterwirth es ausdrückt. Dass es so enden würde, habe man kommen sehen, es sei wie bei einem lebensbedrohlichem Leiden: „Wenn es so weit ist, ist es trotzdem ein Schock.“
Das ist es auch für Anna Alberndorfer aus dem Callcenter: Sie sagt, die Kunden hätten durchwegs großes Verständnis für die Situation, das Geschäft laufe eigentlich ja auch noch immer gut. Noch sei auch Ware da, man liefere eben aus dem Umtauschkontingent. Neues kommt jedoch nicht mehr nach Linz – seit gestern steht der Warenfluss aus Deutschland erstmals still.
Für Roman Obrovski, den Leiter des Arbeitsmarktservice (AMS) Linz, tritt nun der Ernstfall ein. Vorbereitet habe man sich darauf: „Es gibt keine unsinkbaren Schiffe. Der Untergang von Optyl, die Stahlkrise“, erinnert er sich – Oberösterreich habe vergleichbare Fälle schon erlebt. Das AMS werde nun eine Außenstelle im Quelle-Gebäude einrichten. Die Finanzierung einer Insolvenzstiftung (5000bis7000Euro pro Mitarbeiter, 40Prozent trägt Oberösterreich, 60Prozent das AMS) sei unter Dach und Fach: Vor allem für die 300 bis 500 ungelernten Arbeiter und Arbeiterinnen sei es ohne die Stiftung, in der Lehrabschlüsse nachgeholt und Ausbildungen abgeschlossen werden können, besonders schwer, unterzukommen.
„Für viele langjährige Mitarbeiter ist es die ultimative Katastrophe“: Während Betriebsratschef Hinterwirth Journalisten am Quelle-Eingang die weiteren Maßnahmen für die Belegschaft nach dem in der nächsten Woche erwarteten Insolvenzantrag erklärt, verlässt auch der schwarze Audi von Deutschland-Geschäftsführer Konrad Hilbers den Parkplatz in der Industriezeile 47. Über ihm drehen sich die Flaggen zum kürzlich gefeierten 50-Jahr-Jubiläum im Wind. Hilbers habe bei der Betriebsversammlung nicht viel gesagt, er sei eigentlich nur Gast gewesen, sagt Hinterwirth mit Blick auf das Fürther Kennzeichen der deutschen Quelle-Zentrale.
Er trinkt Tee aus dem Plastikbecher, die Belastung der letzten Wochen ist ihm anzusehen. Schuld an allem sei das Arcandor-Management: „Hier kommt ein Betrieb, der 2008/2009 Gewinne geschrieben hat unter die Räder eines internationalen Konzerns.“ Der Betriebsratschef verlässt die Quelle-Galaxie nach 43Jahren.