Wien (jaz). 2008 war für die ÖBB ein Katastrophenjahr – die Staatsbahn musste den Rekordverlust von 965,9Mio.Euro hinnehmen. Heuer werde der Verlust mit 100 Mio.Euro deutlich geringer ausfallen, wie ÖBB-Finanzchef Josef Halbmayr am Mittwochabend vor Journalisten sagte. Dies ist jedoch nur auf den ersten Blick eine Verbesserung. Denn während im Vorjahr vor allem Einmaleffekte (Rückstellungen für die missglückten Spekulationsgeschäfte und Sonderabschreibungen auf das Anlagevermögen) für die roten Zahlen sorgten, hat sich heuer das operative Geschäft dramatisch verschlechtert.
So stammt der Konzernverlust vollständig aus dem Güterverkehr. Die Bahn muss dort heuer einen Umsatzrückgang von 500 Mio. Euro hinnehmen, der nur teilweise über Kostensenkungen abgefangen werden konnte. Der Personenverkehr und die Infrastruktur werden laut Halbmayr zum Konzernergebnis eine „schwarze Null“ beitragen. Dies ist natürlich nur möglich, da die ÖBB 2,1Mrd.Euro für den Betrieb der Infrastruktur und gemeinwirtschaftliche Leistungen vom Staat erhalten. Darüber hinaus zahlt der Steuerzahler 1,7 Mrd. Euro für die ÖBB-Pensionisten. Diese gingen 2009 – wie in den Jahren zuvor – mit durchschnittlich 52,5Jahren in Pension.
Weitere Rückstellungen drohen
Geringer als 100Mio.Euro wird der Verlust 2009 nicht ausfallen, größer könnte er jedoch noch werden. So kann Halbmayr „nicht ausschließen“, dass es auch heuer Sonderabschreibungen auf das Anlagevermögen gibt. Diese werden laut Bilanzregeln dann notwendig, wenn die Geschäftsaussichten sich so verschlechtern, dass die erwarteten künftigen Gewinne geringer sind als der Buchwert der Anlagen.
Zudem drohen den ÖBB noch Rückstellungen für mögliche Steuernachforderungen der Finanz. Diese will die Freifahrten für ÖBB-Mitarbeiter nur noch bei jenen Mitarbeitern akzeptieren, die bei der Personenverkehrstochter angestellt sind. Bei Güterverkehr und Infrastruktur müsste dieser „Vorteil aus dem Dienstverhältnis“ versteuert werden, da sie keine „Unternehmen der Verkehrswirtschaft“ seien. Dem Vernehmen nach geht es um 80 Mio. Euro. Zurzeit laufen die Verhandlungen zwischen Finanz und ÖBB, die noch vor Jahresende abgeschlossen werden sollen. „Es gibt interessante Lösungsmöglichkeiten.“
Die Bahn will in den kommenden Jahren daher weiter Kosten einsparen. Wie berichtet, war deshalb in den vergangenen Monaten der Unternehmensberater Roland Berger bei den ÖBB und erstellte ein Sparkonzept. „Dabei handelt es sich um 250 Einzelmaßnahmen, die in Summe 400Mio.Euro Einsparungen bringen sollen“, so Halbmayr. Unter anderem ist darin die bereits erfolgte Zusammenlegung von Bau und Betrieb der Infrastruktur enthalten. Bis 2014 soll das Konzept umgesetzt werden. Rechnet man die Kostensteigerungen in dieser Zeit gegen, werde schlussendlich eine Ergebnisverbesserung von 150Mio. Euro übrig bleiben.