diepresse.com

Textversion
Home | Politik | Wirtschaft | Panorama | Kultur | Leben | Tech | Science | Sport | Bildung | Gesundheit | Rechtspanorama | Spectrum

Artikel drucken

Strabag: Hans Peter Haselsteiner tritt früher ab

22.06.2012 | 18:33 |  (Die Presse)

Hans Peter Haselsteiner hat die Weichen in seinem Imperium vorzeitig gestellt. Er wird 2014 den Chefsessel für den Deutschen Thomas Birtel räumen.

Wien/Gh. Die Nachricht kam Freitagmittag nicht für alle so überraschend wie für Alfred Gusenbauer. Der frühere SP-Kanzler ist Aufsichtsratschef beim Baukonzern Strabag und hat bis zuletzt Spekulationen über einen vorzeitigen Abgang des Großaktionärs und Vorstandschefs Hans Peter Haselsteiner als „völligen Blödsinn“ abgetan. Der „völlige Blödsinn“ ist eingetreten. Haselsteiner räumt den Chefsessel nach der Hauptversammlung im Juni 2014. Ursprünglich wollte der 68-Jährige bis 2015 den Konzern lenken.

Gleichzeitig präsentierte Haselsteiner auch seinen Nachfolger. Es ist nicht – wie zuletzt spekuliert – sein Stellvertreter Fritz Oberlerchner. „Ich wünsche mir Thomas Birtel als meinen Nachfolger. Für mich ist er die natürliche Wahl: Er ist jung genug, um den Konzern dynamisch zu führen, alt genug, um Risken, die nicht beherrschbar sind, zu vermeiden“, teilte Haselsteiner mit. Der 58-jährige Deutsche Birtel sitzt seit 2006 im Vorstand der Strabag SE. Haselsteiner hob seine „fachliche und soziale Kompetenz“ hervor. Was die beiden Manager grundlegend voneinander unterscheidet, ist der Umgang mit der Öffentlichkeit. Im Gegensatz zu Haselsteiner gilt Birtel auf diesem Gebiet als äußerst zurückhaltend.

Doch nicht nur die Thronfolge wurde in einem der größten Baukonzerne Europas geregelt. Bereits Ende kommender Woche verlässt Fritz Oberlerchner den Vorstand. „Um unbefangen fortan die Task Force ,Strabag 2013ff‘ leiten zu können“, heißt es im offiziellen Statement des Unternehmens. Dort soll der 63-Jährige die „strategische Aufstellung des Strabag-Konzerns evaluieren.“

 

Strabag erhält neue Organisation

Oberlerchner soll die Organisation des 76.000 Mitarbeiter zählenden Konzerns komplett umbauen. Bisher waren die Vorstandsagenden in Sparten unterteilt. Nun werden die Kompetenzen der Vorstandsmitglieder nach Länder und Regionen aufgeteilt.

„Das hat einen einfachen Grund“, erklärt Konzernsprecherin Diana Klein. Künftig werde es für Auftraggeber einen Ansprechpartner geben und nicht einen für Straßenbau und einen anderen für Hochbau.

Warum Haselsteiner 2014 und nicht erst 2015 abtritt? Weil alle anderen Vorstandsverträge 2014 auslaufen, sei dies für Haselsteiner der richtige Zeitpunkt für einen Neustart gewesen, hieß es auf Anfrage der „Presse“.

40 Jahre nach seinem Einstieg in die Baubranche regelt der Bau-Tycoon seine Nachfolge. 1972 trat Haselsteiner in die Baufirma (Ilbau) eines Schwiegervaters ein. Im Zuge eines starken Expansionskurses kaufte er auch die in Köln beheimatete Strabag, die dem Baukonzern nun seinen Namen gibt. Unter dem Dach der Strabag SE firmieren heute 900 Unternehmen.

Im vergangenen Jahr erzielte der Konzern einen Umsatz von 13,7 Mrd. Euro und wies einen Gewinn vor Zinsen und Steuern von 334,8 Mio. Euro aus. Großaufträge im Vorfeld der Fußballeuropameisterschaft in Polen und in der Ukraine sorgten für das gute Ergebnis und täuscht darüber hinweg, dass auch die Baubranche von der Finanz- und Wirtschaftskrise nicht verschont bleibt. Im ersten Quartal 2012 wies der Konzern einen Verlust von 159,14 Milo. Euro aus. Zwar sind rote Zahlen im ersten Quartal in der Branche üblich, doch lag das operative Ergebnis 13 Prozent unter dem Wert des ersten Quartals 2011. Dass heuer mit einem bescheideneren Ergebnis zu rechnen ist, hat Haselsteiner längst prognostiziert. Denn im Gegensatz zur Fußball-EM entwickelte sich das Baugeschäft vor den Olympischen Winterspielen in Sotschi 2014 nicht so gut wie ursprünglich erwartet.

 

„Alt genug für die Pension“

Haselsteiner wollte am Freitag die Entscheidung nicht kommentieren. Gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen weilte er bei einer Konzernklausur. Dort soll er lapidar gemeint haben: „Mit 70 ist man alt genug, um in Pension zu gehen.“

Spekulationen, Haselsteiners 31-jähriger Sohn Clemens könnte im Zuge der Personalrochaden ins Management einziehen, wurden nicht bestätigt. „Das war auch nie geplant“, betonte Klein. Die Gerüchte seien aus der Luft gegriffen.

Faktbox


Home | Politik | Wirtschaft | Panorama | Kultur | Leben | Tech | Science | Sport | Bildung | Gesundheit | Rechtspanorama | Spectrum

© DiePresse.com