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Wirtschaftskrise: Opfer, entschädigt doch die Täter!

21.11.2009 | 18:47 | von Franz Schellhorn (Die Presse)

Hochrangige Banker bauen bereits für die nächste Wirtschaftskrise vor. Die Steuerzahler sollten sich besser anschnallen. Sicher ist sicher. Josef Ackermann ist wohl etwas wie der Mann fürs Grobe in der sonst so zurückhaltend agierenden Bankenszene.

Josef Ackermann ist wohl etwas wie der Mann fürs Grobe in der sonst so zurückhaltend agierenden Bankenszene. Wann immer es deftige Worte, unpassende Gesten und provokante Denkanstöße zu laufenden Wirtschaftsdebatten braucht – auf den Chef der Deutschen Bank ist Verlass. Ackermann scheint auch längst Gefallen an der Rolle des bösen Buben gefunden zu haben. Erst diese Woche war in den Redaktionen wieder einmal Aufregung angesagt, nachdem Herr Ackermann eine Art Katastrophenfonds eingefordert hatte, der Banken in der nächsten Krisen vor dem Untergang retten soll.

Prinzipiell eine tolle Idee. Mit dem kleinen Schönheitsfehler, dass dieser Notfallfonds nicht nur mit künftigen Gewinnen der Banken gespeist werden soll – sondern auch mit Steuergeldern. Ein vergleichsweise kühner Gedanke, haben doch gerade die Steuerzahler erheblich dazu beigetragen, dass Managern wie Herrn Ackermann heute überhaupt noch ein Mikrofon hingehalten wird. Ohne die finanziellen Garantien der Steuerzahler hätte es in der internationalen Finanzwelt schon längst Granada gespielt – mit der Konsequenz, dass in vielen Führungsetagen heute andere Gesichter anzutreffen wären.

Josef Ackermanns Forderung, wonach die Steuerzahler heute präventiv für die Krise von morgen anzusparen hätten, folgt einem gängigen Prinzip: „Opfer, entschädigt doch die Täter!“ Ein Prinzip, das es schleunigst abzuändern gilt. Eine der zentralen Lehren aus der 42. Finanzkrise ist nämlich, dass das System „Wir Banker machen die Fehler, für deren Kosten dann sowieso andere geradestehen“ ein nicht besonders tragfähiges, weil höchst unfaires ist. Ackermanns Vorschlag würde diesen Mechanismus der Kostenabwälzung aber noch verstärken. Das genaue Gegenteil davon müsste passieren.

Lehren aus der Krise. Wenn wir also schon für die Gründung eines Rettungsfonds plädieren, aus dem sich strauchelnde Größen der Finanzwelt künftig bedienen können, dann sollte die Finanzierung dieser Notfallkassa wohl auch einer Gruppe vorbehalten bleiben: den Banken selbst. Das wird die 43. Finanzkrise zwar nicht verhindern, aber die dann entstehenden Schäden besser verteilen.

Eine weitere Lehre ist, dass künftig nur noch Kreditinstitute und deren Kunden zu retten sind, nicht aber die Aktionäre. Niemand sollte Banken vorschreiben, welche Geschäftsfelder sie bearbeiten dürfen. Wer meint, ein goldenes Händchen für das Investmentbanking zu haben – fein. Wer glaubt, Produkte auf den Markt werfen zu müssen, die nicht einmal die Verkäufer ganz durchschauen – bitte. Gehen derartige Geschäfte künftig aber in großem Ausmaß schief, ist das zuerst einmal Sache der Eigentümer, sprich: der Aktionäre. Der Verlust des eingesetzten Kapitals ist schließlich eine der wirksamsten Sanktionen, die in der Marktwirtschaft für haarsträubendes Missmanagement zur Verfügung stehen.

In diesem Sinne ist wohl auch die an dieser Stelle vertretene These zu relativieren, wonach alles besser sei als eine Verstaatlichung von Banken. Das Beispiel Schweiz weist jedenfalls in eine andere Richtung. In der Heimat von Herrn Ackermann hatte der Staat der wankenden UBS zur Bewältigung der Krise sechs Milliarden Franken vorgestreckt. Als sich die Lage spürbar entspannte, nahm der Staat das Geld nicht gleich zurück, sondern verwandelte es in UBS-Anteile. Um diese nach einer kurzen Börsenbergfahrt wieder auf den Markt zu werfen und einen kräftigen Gewinn einzufahren.

Zentrale Voraussetzung für einen derartigen Weg ist freilich der vorübergehende Charakter der Teilverstaatlichung. Jedenfalls dürfte ein derartiger Ansatz selbst in anarcholiberalen Kreisen deutlich mehr Anhänger finden als die von Ackermann ventilierte Idee einer Banken-Vollkaskoversicherung auf fremde Rechnung.



franz.schellhorn@diepresse.com


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