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Blackberry: Abschied von einer Ikone der Nullerjahre

06.08.2012 | 08:09 | von Nikolaus Jilch (Die Presse)

E-Mail auf dem Handy hat heute jeder Teenager. Der Mythos Blackberry lebt – aber wie lange noch?

1999 war das Jahr, in dem Hugo Chávez in Venezuela an die Macht kam – und Pervez Musharraf sich per Militärputsch zum Präsidenten Pakistans machte. Jean Claude Juncker war bereits vier Jahre lang Premierminister von Luxemburg, wurde 1999 wiedergewählt und ist bis heute Regierungschef. Und Österreich sah die „Wende“ hin zu Schwarz-Blau und die folgenden Sanktionen gegen das Land.

Dass auch der Blackberry in diesem Jahr geboren wurde, ging an der Weltöffentlichkeit großteils vorbei. Der „Blackberry 850“, das erste Gerät der Reihe, sah aus wie ein überdimensionierter Pager mit vollständiger Tastatur. Das Display konnte gerade einmal acht Zeilen Text anzeigen. Und eine Telefonfunktion war noch nicht einmal vorgesehen. Erst drei Jahre später kam der erste „echte“ Blackberry auf den Markt, der auch ein Telefon war: der „5810“. Die Handy-Funktion konnte der frühe Blackberry-Besitzer damals allerdings nur mit Headset ausnutzen.


Obama bleibt ein Fan. Die fast schon obsessive Konzentration auf textbasierte Kommunikation sollte Blackberry erhalten bleiben. Kein anderer Handyhersteller hat Geräte mit Volltastatur so geprägt wie die Blackberry-Mutter Research in Motion (RIM). In den Nullerjahren ist der Blackberry zum Kultobjekt mutiert. Zuerst waren es die Banker und Topmanager, die plötzlich rund um die Uhr per E-Mail erreichbar waren. Dann die Politiker und das mittlere Management. Der Push-Email-Dienst über RIM-eigene Server war etwas besonderes, ein Gimmick, das sogar einen zeitlichen Vorsprung im Geschäftsleben versprach. Für manche war der Blackberry auch einfach nur eine elektronische Fußfessel, die sogar im Urlaub nicht aufhören wollte zu blinken und zu vibrieren. Dann kam der letzte große Auftritt: Barack Obama erklärte im Wahlkampf 2008 ganz öffentlich seine Liebe zum Blackberry – und weigerte sich auch nach der Wahl, ihn abzulegen.

Der Abstieg kam trotzdem und plötzlich. Apple stellte ab 2007 die Mobilfunkbranche auf den Kopf. Neben dem hübschen Design und dem faszinierenden Touchscreen des iPhone wirkten die tastaturbewehrten Plastikteile von Blackberry (so wie die vom damaligen Branchenprimus Nokia) plötzlich so sexy wie ein Damenbart.

Nachdem RIM's eigene, hastig entworfene Touchscreen-Modelle floppten, besinnt man sich heute wieder auf alte Tastaturstärken. Wohin die Reise gehen soll, ist aber völlig unklar. Das neue Betriebssystem lässt auf sich warten. Dieses könnte auch für andere Hersteller lizensiert werden. Oder aber, RIM steigt auf Windows Phone um – oder auf das Google-Betriebssystem Android. Nur eines ist sicher: E-Mail auf dem Handy hat heute jeder Teenager. Und vom Mythos allein wird Blackberry nicht lange leben können.


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