Große westliche Industrieländer, allen voran die USA, erwägen ein Anzapfen der strategischen Ölreserven. Auch Frankreich und Großbritannien machen sich Sorgen über den Anstieg des Ölpreises um rund ein Drittel binnen zwei Monaten, hieß es am Freitag aus gut informierten Kreisen. Die Regierungen würden sich darauf vorbereitet, im Fall der Fälle zu handeln. An den Ölmärkten sorgte die Nachricht für fallende Preise.
Allerdings zweifeln gut informierte Personen daran, dass die Mitglieder der Internationalen Energie Agentur (IEA) derzeit einer Freigabe der Reserve zustimmen würden. Im Frühjahr sei es schließlich auch nicht dazu gekommen. Schon damals hatte es entsprechende Überlegungen von US- Präsident Barack Obama gegeben. Doch damals war das Öl um zehn Dollar teurer: Für ein Fass Brent-Öl (159 Liter) zahlte man 125 Dollar, für die US-Sorte WTI 105 Dollar.
Iran-Sanktionen weniger schmerzhaft
Die USA verknüpfen ihre aktuellen Überlegungen den Kreisen zufolge auch damit, dass ein hoher Ölpreis Sanktionen gegen den Iran unterlaufen könnte. Westliche Länder versuchen seit langem, im Atomstreit mit dem Iran das Land durch wirtschaftliche Daumenschrauben zum Einlenken zu bewegen. Ist der Ölpreis aber hoch, so die Überlegung, steigen auch die Einnahmen des Öl-Förderers Iran und machen Sanktionen damit wenig schmerzhaft. Das zweite Argument für ein Anzapfen der Notreserven ist, dass sich die US-Bürger mitten im Wahlkampf über das teure Benzin ärgern.
In den US-Kreisen hieß es, ein Zugriff auf die Ölreserven stehe nicht unmittelbar bevor. Zunächst warte man ab, was nach den Feiertag "Labor Day" am 3. September passiere. Normalerweise sinkt dann der Spritpreis. Allerdings sei die Lage ähnlich wie im Frühjahr, und damals seien Länder wie Deutschland, Großbritannien und Frankreich für eine Freigabe offen gewesen.
Kein Kommentar von deutscher Regierung
Die deutsche Regierung wollte sich am Freitag nicht äußern. Wirtschaftsminister Philipp Rösler hatte im Frühjahr allerdings eine Freigabe abgelehnt und gesagt, Reserven seien kein Werkzeug zur Preis-Stabilisierung. Das britische Energie-Ministerium erklärte, man stehe zusammen mit seinen internationalen Partnern bei der IEA bereit, um falls nötig reagieren zu können. Eine Entscheidung zur Freigabe gebe es derzeit aber nicht. Auch aus Kreisen der französischen Regierung hieß es, man stehe mit den USA über den Ölpreis-Anstieg in Kontakt und prüfe alle Optionen.
Von seinem Rekord ist der Ölpreis jedenfalls noch entfernt. Mitte 2008 kostete das Fass 147,50 Dollar- 30 Dollar mehr als derzeit.