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Opel: Bevölkerung gegen Staatshilfe

09.11.2009 | 11:07 |  (DiePresse.com)

66 Prozent der Deutschen sind gegen eine Staatshilfe für Opel, nachdem der Verkauf an Magna geplatzt ist. Heute, Montag soll GM-Chef Henderson nach Deutschland kommen, um über Opels Zukunft zu verhandeln.

Nach dem geplatzten Magna-Deal stehen nun mögliche Staatshilfen für General Motors und die Frage nach der neuen Führung bei Opel im Fokus. Während deutsche Politiker Zahlungen von Staatsgeld an Vorleistungen aus Detroit knüpften, warnte die EU-Kommission, Hilfen dürften nicht an den Erhalt deutscher Werke gekoppelt werden. Nach dem Willen der deutschen Bürger dürfte es überhaupt kein Geld mehr für Opel geben: 66 Prozent sind laut einer Emnid-Umfrage im Auftrag der "Bild am Sonntag" (BamS) gegen einen solchen Einsatz von Steuermitteln.

Nach Informationen des "Handelsblatts" kommt GM-Chef Fritz Henderson an diesem Montag nach Rüsselsheim, um die Sanierung der angeschlagenen Tochter voranzutreiben. GM suche bereits extern nach einem neuen Opel-Chef, der möglichst aus Deutschland kommen solle, schrieb die Zeitung und berief sich auf Konzernkreise. Mit der Vorlage des GM-Zukunftskonzepts wird für die nächsten Tage gerechnet.

"Keine deutschen Hilfen"

Angesichts des geplatzten Magna-Deals empfahl der hessische Ministerpräsident Roland Koch GM, keine deutschen Hilfen für Opel in Anspruch zu nehmen. "Es passt einfach nicht zusammen, erst alles selber machen zu wollen und dann dem Steuerzahler in Deutschland und Europa die Rechnung zu stellen", sagte der CDU-Politiker dem Magazin "Focus". Natürlich könne GM Anträge auf Staatshilfe stellen. "Diese würden aber kritisch geprüft, weil es um Steuergeld geht", sagte er den "Ruhr Nachrichten".

Der thüringische Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD) erklärte, öffentliche Mittel könne es nur geben, "wenn die Standorte und die Beschäftigung insgesamt gesichert bleiben - zumindest in dem Rahmen, der mit Magna vereinbart war".

Schäuble kann sich Staatshilfe vorstellen

Zuvor hatte deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) durchblicken lassen, dass er zu weiterer staatlicher Hilfe für Opel bereit wäre. Aus Brüssel kamen jedoch mahnende Worte: Es bestehe kein Zweifel daran, dass eine an einen Arbeitsplatzerhalt geknüpfte Staatshilfe "kaum mit den Binnenmarktregeln in Einklang zu bringen sein dürfte und deshalb von Brüssel nicht akzeptiert wird", sagte der Sprecher von EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes der "Berliner Zeitung".

Skeptisch zu Hilfen äußerte sich der deutsche Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP). GM könne zwar Hilfen aus dem Deutschlandfonds beantragen, es gebe aber "kein Anrecht auf staatliche Hilfe".

"Ziel muss freieres Opel sein"

Der Betriebsrat von GM Europe warnte unterdessen vor einem "Krieg" bei Opel: Es müsse verhindert werden, dass GM tiefe Einschnitte vornehme und ein "europäisches Blutbad mit Hilfe von Steuergeldern" organisiere, sagte der stellvertretende Vorsitzende des GM-Europe-Betriebsrates, Rudi Kennis, im Deutschlandfunk. Ziel müsse ein freieres Opel innerhalb von GM sein: "Sonst kommen wir in einen Krieg, in dem es keinen Gewinner gibt."

Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz verlangt einen externen Nachfolger für den scheidenden General-Motors-Europa-Chef Carl-Peter Forster. "Er muss Europäer sein, mit Teamgeist und Benzin im Blut. Neben Deutsch muss er weitere Sprachen beherrschen", sagte er der "Bild am Sonntag". Außerdem will Franz von Henderson einen langfristigen Finanzierungsplan für Opel fordern. "Mit der sonst bei GM üblichen Denke in Quartalen werden wir uns nicht zufriedengeben", sagte er dem "Hamburger Abendblatt" (Montag) zufolge.

Unter Protest verließ der frühere Continental-Chef Manfred Wennemer am Wochenende den Beirat der Opel-Treuhand. "Ich habe in einem Brief an Wirtschaftsminister Brüderle am Samstag meinen Rücktritt erklärt", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Der wirtschaftliche Sachverstand spiele in der Treuhand keine Rolle mehr. Wennemer saß für den Bund in der Treuhand. Er stimmte aber zur Verärgerung der Regierung nicht für den Magna-Deal.


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