Wien (Reuters/DPA/red.). Es war verlorene Liebesmüh – und dann auch noch ganz schön teuer: Einen Betrag in der Größenordnung von 100 Mio. Dollar (66,8 Mio. Euro) hat der gescheiterte Opel-Übernahmeversuch den Autozulieferer Magna gekostet. Das sagte Vorstandschef Siegfried Wolf zum ORF. Da General Motors (GM) auf dem von Magna erstellten Businessplan aufbaue, will Wolf die entstandenen Kosten vom US-Autobauer zurückverlangen. Genaue Berechnungen gebe es noch nicht.
In Deutschland hält unterdessen der Missmut über den geplatzten Deal an. GM sei über Monate nicht in der Lage gewesen, seiner Verantwortung als Mutterkonzern gerecht zu werden, kritisierte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel im Bundestag. Hilfen würden zwar geprüft – die Hauptlast der Opel-Sanierung müsse GM aber selbst tragen. Merkel forderte zudem ein überzeugendes Sanierungskonzept. GM schätzte die Sanierungskosten für Opel zuletzt auf drei Mrd. Euro, die Ratingagentur Moody's geht von fünf Mrd. Euro aus.
Nick Reilly wird Opel-Chef
Einen Unternehmensplan mit Finanzierungskonzept fordert auch Opel-Betriebsratschef Klaus Franz. Die Belegschaft hatte ihre Zugeständnisse – darunter ein Lohnverzicht im Umfang von 265 Mio. Euro pro Jahr – zurückgezogen, nachdem das Scheitern der Übernahme bekannt geworden war. Nach Informationen des deutschen „Handelsblattes“ hat sich Franz bereits an EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes gewandt und ihr Eingreifen verlangt. Sie solle verhindern, dass EU-Mitglieder Staatshilfe anböten, um Arbeitsplätze zu sichern.
Rechtliche Probleme könnten GM auch in Russland drohen: Die Sberbank, die als Partner Magnas bei der Opel-Übernahme vorgesehen war, schließe einen Gang vor Gericht nicht aus, wie Sberbank-Chef German Gref am Dienstag sagte. Fest steht inzwischen, dass der GM-Manager Nick Reilly vorübergehend Opel-Chef wird (siehe Seite27).