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Des einen Leid, des anderen Freud: Großbritannien jubelt über GM

04.11.2009 | 18:21 | Von unserem Korrespondenten AXEL REISERER (Die Presse)

Die Gewerkschaft fordert Staatshilfe, die Regierung will sie geben.

London. Während in Deutschland Wut und Ärger herrschen, wird in Großbritannien die Absage des Opel-Verkaufs an Magna mit großer Freude aufgenommen. Gewerkschaftsboss Tony Woodley sprach am Mittwoch von einer „fantastischen Entscheidung“. Wirtschaftsminister Peter Mandelson gab sich zwar „überrascht“, stellte aber sofort Staatshilfe in Aussicht. Opel betreibt in Großbritannien zwei Werke mit 5500 Mitarbeitern und verkauft seine Autos unter der Marke Vauxhall.

Mandelson betonte, er wolle nun „möglichst rasch Gespräche mit der GM-Führung“ aufnehmen. „Wenn die richtige langfristige Lösung gefunden werden kann, ist die Regierung zur Unterstützung bereit“, sagte er. Woodley forderte umgehend Staatshilfe für die notleidende britische Autoindustrie, signalisierte aber auch die Bereitschaft der Belegschaft zu Einsparungen: „Wir sind zu Restrukturierungen bereit.“ Nach der Logik, dass man zwischen zwei Übeln besser jenes wählt, das man schon kennt, meinte er: „Wir kennen GM, und sie kennen uns.“

 

Widerstand gegen Magna

Die Übernahme von Opel durch das Magna/Sberbank-Konsortium war in Großbritannien von Anfang an auf massiven Widerstand gestoßen, da man fürchtete, die Milliardenhilfe der deutschen Regierung würde letztlich zur Rettung der deutschen Opel-Werke verwendet werden und zulasten der britischen Niederlassungen gehen. Vauxhall produzierte im Vorjahr im Werk Ellesmere Port bei Liverpool 111.600 Autos vom Typ Astra und im südenglischen Luton 60.000 Vivaro-Kleintransporter.

Während sich die deutsche Regierung im Schatten des Wahlkampfs in den vergangenen Monaten massiv für den Erhalt von Opel engagiert hatte, wurde die britische Regierung wiederholt für ihre Zurückhaltung kritisiert. Dabei geht die Autoindustrie auch auf der Insel durch die schwerste Krise seit Jahrzehnten: Honda und Nissan mussten ihre Werke monatelang schließen, die BMW-Tochter „Mini“ schickte hunderte Zeitarbeiter nach Hause und Jaguar – heute im Besitz der indischen Tata Group – hat, bisher vergeblich, um einen Staatskredit von einer Milliarde Pfund angesucht.

Eine Schrottprämie nach europäischem Vorbild führte Großbritannien erst im April ein. Zuvor hatte die Regierung dem Einbruch der Autoverkäufe von 30 Prozent praktisch tatenlos zugesehen. Von der Krise sind mittlerweile auch die Zulieferer betroffen: Bosch kündigte Mitte Oktober die Schließung seines Werks in Wales an, 900 Arbeitsplätze gingen verloren.


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