Der deutsche Autoexperte Helmut Becker, der bereits im August erklärt hatte, GM spiele auf Zeit und werde Opel nicht an Magna verkaufen, ist überzeugt, dass der US-Konzern seine europäische Auto-Tochter selbst sanieren kann: "Möglich ist es. Hinter GM steht die US-Regierung, 60 Prozent gehören den USA und Kanada. Vor diesem Hintergrund kann GM Opel neu aufstellen", erklärt Becker im Interview mit den "Salzburger Nachrichten". Im Opel-Management sollten Köpfe rollen, da gegen GM gearbeitet werde, so Becker.
"Da müssen die Köpfe rollen"
Die alte Opel-Führungsmannschaft "muss weg", sagt Becker und zitiert Albert Einstein: "Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind." Für ihn als Ökonomen sei es nicht einsichtig, dass die Belegschaft für Magna einen Beitrag leisten wolle, für den Uralteigentümer GM aber nicht. "Da müssen die Köpfe rollen. Als GM würde ich ein derartiges Verhalten nicht tolerieren."
GM habe nun - nachdem der Opel-Verkauf an Magna abgeblasen wurde - eine andere taktische Ausgangsposition. In dieses Konzept passe Opel als strategisch wichtiger Baustein unverzichtbar hinein. Erstmals seit 80 Jahre brauche GM Opel und nicht umgekehrt, so Becker. Beim Opel-Betriebsrat sei diese Erkenntnis freilich noch nicht angekommen. Opel-Führung, Betriebsrat und Belegschaft sollten "nicht lamentieren und mit Streiks drohen, sondern positiv an die neue Situation herangehen". Opel sei jetzt ein Asset geworden. Opel habe die Technologie, die GM brauche.
"Opel muss sich selbst retten"
Bei der Neuaufstellung von Opel denkt der Autoexperte, der das Münchner Institut für Wirtschaftsanalyse und Kommunikation leitet, an eine neue Kapital- und Eigentümerstruktur. Die Belegschaft sollte mit mehr als zehn Prozent beteiligt werden. Eine Sperrminorität hätte laut Becker Sinn, "denn Opel muss sich selbst retten und darf nicht fremdbestimmt sein, weder aus Graz, Detroit noch aus Moskau".
Für Magna sei die Absage des Opel-Deals positiv, meint der Autoexperte: "Magna wäre als Opel-Eigentümer in Schwierigkeiten gekommen, weil alte Kunden davongelaufen wären." Magna könne nun vielleicht mit Ausnahme der Verhandlungsführer mit erhobenem Haupt aus der Sache gehen "und sich wieder um sein Hauptgeschäft kümmern", wo man marktbedingt genug Schwierigkeiten habe. Vor allem am Standort Graz werde es sehr schwierig werden, die Kapazitäten aufzufüllen.