Die Geister, die Barack Obama da rief, wird er wohl nicht mehr los: Mit einem Strafzoll will der neue Zauberlehrling der Protektionisten die moribunde US-Reifenindustrie vor Unbill aus China bewahren. Das Zauberwort heißt Dumping, und auch die Welthandelsorganisation verwendet es gern. Doch der berüchtigte Paragraf im Handelsgesetz, auf den sich der Präsident beruft, geht weit über die WTO-Regeln hinaus: Für den Dumpingverdacht genügt ein „rapider Anstieg von Importen“ aus China – soll schon mal vorkommen im Handel zwischen Staaten.
Aus gutem Grund wurde „Section 421“ noch nie angewandt. Auch verständlich, dass Lobbyisten aller Branchen dem toten Recht stets eine nekrophile Zuneigung entgegenbrachten. Jetzt stehen sie Schlange: Selbst die Züchter von Knoblauch und die Hersteller von BH fühlen sich vom gnadenlosen Wettbewerb aus Fernost bedroht. Und China schlägt zurück, mit Zöllen auf Hähnchen und Autoteile – vielleicht der skurrile Startschuss eines globalen Handelskriegs.
Natürlich sind die Chinesen keine Saubermänner des Welthandels: Sie halten ihren Yuan künstlich niedrig und zwingen fremden Investoren absurde Hürden auf. Aber dem ist anders beizukommen als mit einem Holzhammer aus der Mottenkiste des Protektionismus. Zumal er auf die Amerikaner zurückfällt: Für ihre nicht konkurrenzfähigen Produkte gibt es andere Alternativen, sogar aus Europa. Die Reifen quietschen schon in den Startlöchern. (Seite 15)
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