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Fashion Week Berlin: Arm, sexy und gut angezogen

04.07.2009 | 17:57 | von Marlene Mayer (Die Presse)

Berlin möchte sich mit der Fashion Week – in harten Zeiten mehr als zuvor – als Modestadt positionieren. Das Ergebnis? Ein relatives Durcheinander. Aber erfolgreich.

"Arm, aber sexy" – der wohlbekannte Sager von Bürgermeister Klaus Wowereit bringt das Selbstverständnis der Berliner wohl noch immer ganz gut auf den Punkt. Dabei steht „sexy“ hier nicht automatisch für Minirock, viel eher für die beliebten Attribute jung, flexibel und – ja, genau – kreativ. In Sachen Mode zeigte die deutsche Hauptstadt in den vergangenen Tagen nun besonders laut auf, und zwar unter allerlei Namen, zum Beispiel „Mercedes Benz Fashion Week“, „Bread & Butter“, „Premium“ und „thekey.to“. Man will sich als „Modehauptstadt“ neben Paris, New York und Mailand positionieren, auch das sagt der Berliner Bürgermeister, und vor allem eines: Geld verdienen. Auch wenn die Traditionen in Sachen Handwerk und der Glamourfaktor (noch) fehlen.


High End versus Street Style. Heuer war also alles noch ein bisschen größer, bunter und lauter als in den vergangenen Jahren. Der Grund: Die Streetwear-Messe „Bread & Butter“ hat Barcelona nach drei Jahren den Rücken gekehrt und ist mit Pomp und Trara (also Mando Diao als Eröffnungsact und mit Klaus Wowereit in Jeans und offenem Hemd) in die Heimat zurückgekommen. Insgesamt 550 Marken wurden diese Woche auf dem aufgelassenen Flughafengelände Tempelhof vor Fachpublikum präsentiert, und was sich da am Rande der Stadt unter Ausschluss der Öffentlichkeit abspielt, spielt auch wirtschaftlich eine Rolle. Denn: „Die Rückkehr der Messe ist ein Geschenk des Himmels“, sagt etwa Berlin-Tourismus-Chef Burkhard Kieker. Und weiter: „Die Modemessen sind eine Konjunkturspritze für Berlin und unterstreichen gleichzeitig das Image der Stadt als Kreativmetropole.“ 80.000 Besucher allein ließen sich bei der „Bread & Butter“ blicken (120.000 Besucher soll die Fashion Week insgesamt verbucht haben) und dabei, so Kieker, etwa 60 Millionen Euro in der Stadt lassen.

Das Gesicht hinter der Messe für „progressive, zeitgenössische Bekleidungskultur“ gehört Karl Heinz Müller. Der Berliner Jeanskönig – der auch erfolgreich den Streetwear-Delikatessen-Laden „14 oz“ führt – polarisiert. Während ihn der Bürgermeister öffentlich herzt, beschreibt ihn das Wirtschaftsmagazin „Brand eins“ etwa als „größenwahnsinnig, selbst- und detailverliebt“. Fest steht, dass Müller die Berliner Modeszene heuer ganz schön unter Druck gesetzt hat. Denn eigentlich hätten die Mercedes Benz Fashion Week und die kleinere, exklusivere Messe „Premium“ sich gerne näher am internationalen Modereigen orientiert und erst nach der Sommerpause stattfinden sollen. Weil Müller auf dem Termin Anfang Juli bestand, gaben die anderen Veranstalter nach. Das Ergebnis: Viele kleine Labels konnten ihre Kollektionen nicht fertigstellen und mussten ihre Teilnahme an der Fashion Week absagen. Trotzdem: Auch wenn der bekannteste deutsche Modedesigner, Karl Lagerfeld, selbstredend nicht in Berlin präsentiert, mit Wunderkind von Wolfgang Joop, Escada, Strenesse und Michael Michalsky oder auch der Österreicherin Lena Hoschek kann die Mercedes Benz Fashion Week auf Namen bauen, die wiederum Kritiker und Prominenz – von Boris Becker bis Sienna Miller – anziehen.

Das ist auch Ergebnis nachhaltiger Förderpolitik vonseiten des Landes. In den vergangenen fünf Jahren wurde verstärkt in den Bereich Mode investiert. Auch die Mercedes Benz Fashion Week erhält dabei Unterstützung. Die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen hat ein breites Fördernetzwerk zur Kofinanzierung gespannt. Und finanziert darüber hinaus auch die parallel stattfindende „Showroom Meile“. Hier haben junge, in Berlin ansässige Modedesigner die Möglichkeit, sich zu präsentieren und vom Besucherstrom der Großveranstaltungen zu profitieren.

Ein paar Zahlen: Insgesamt sieben Messen finden zur gleichen Zeit statt, da werden 1000 Kollektionen vor etwa 120.000 Besuchern präsentiert. Diesen Sog möchte auch Frans Prins für sich nutzen. Er veranstaltet heuer „thekey.to“, die erste Messe für Green Fashion – also fair produzierte Kleidung. „Ich sehe das als Avantgardebewegung“, sagt er. Auch Cloed Baumgartner ist mit ihrem Label Milch sowohl an der „Premium“ als auch bei „thekey.to“ präsent. Denn genauso wie die österreichischen Labels „Göttin des Glücks“, ALILA, „anzüglich“ und „Slow Fashion“ – sie zeigen gemeinsam in Berlin – produziert sie eben Green Fashion. „Es ist aufregend. Vor allem auf der thekey.to herrscht Aufbruchstimmung, aber ganz Berlin ist voll.“ Die Investitionen der vergangenen Jahre haben sich Baumgartners Meinung nach ganz offensichtlich ausgezahlt.


Vielfalt ist das Stichwort. Vor allem aber das Nebeneinander unterschiedlichster Veranstaltungen – von der Project Gallery mit Wendy & Jim bis zum Sample Sale von Henrik Vibskov – zeichnet Berlin, etwa im Vergleich zu Wien, aus, ist Baumgartner überzeugt. Da geht es um Vielfalt. „In Berlin hat man verstanden, dass gilt: je mehr, desto besser. Da gibt's innerhalb der Modeszenen keine Ausgrenzung, man profitiert voneinander.“

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