Alte Wohnungen holen preislich auf

Bei den Preisen für neu errichtete Wohnungen scheint mancherorts der Plafond erreicht zu sein. Auch die Mieten halten nicht immer mit der Teuerung Schritt.

Alte Wohnungen holen preislich
Alte Wohnungen holen preislich
c Clemens Fabry

Wien/B.l. Immobilien, so heißt es häufig, schützen vor Inflation. Dafür werden meist zwei Argumente angeführt. Erstens: Mietverträge haben Indexklauseln, was bedeutet, dass die Mieten regelmäßig der Inflation angepasst werden. Für den Eigentümer bedeutet das: Steigt die Inflation, erhält er höhere Mieteinnahmen. Zweitens: Die Immobilienpreise steigen stärker als die Inflation. Allein durch die Wertsteigerung kann man der Teuerung ein Schnippchen schlagen.

Doch so mancher Käufer erlebt derzeit ein böses Erwachen. Denn die Mieten werden nur bei laufenden Mietverträgen der Inflation angepasst. Zieht ein Mieter aus, muss man einen neuen finden, der eine genauso hohe Miete bezahlt. Im frei finanzierten Neubau, wo die Mieten überdurchschnittlich hoch sind, ist das oft nicht so einfach. Das erkennt man auch daran, dass sich im Vorjahr bei einer Inflation von 2,4 Prozent die Mietangebote auf der Plattform Immobilien.net nur um 1,5 Prozent auf 9,79 Euro netto pro Quadratmeter verteuerten. In allen Bundesländern blieben die Steigerungen hinter der Teuerung zurück. Die Preise für Wohnungen konnten noch mit der Inflation Schritt halten, aber auch nicht überall. So verteuerten sich zwar gebrauchte Wohnungen österreichweit um 4,5 Prozent auf 2190 Euro pro Quadratmeter (siehe Grafik). Die Preise für neue Wohnungen erhöhten sich dagegen „nur“ um 2,3 Prozent auf 3464 Euro, also schwächer als die Inflation.

„Schmerzgrenze“ liegt bei 5000 Euro

Auch innerhalb Wiens stiegen die Preise für neue Wohnungen mit 4,5 Prozent nicht so stark wie für gebrauchte Objekte (5,7 Prozent). Die teuersten Neubauwohnungen findet man in der Inneren Stadt, wo jedes zweite Domizil mehr als 9249 Euro pro Quadratmeter kostet. Den stärksten Preisanstieg bei neuen Wohnungen gab es mit 22 Prozent in Mariahilf: Dort kosten 50 Prozent der angebotenen Wohnungen mehr als 4860 Euro. Dagegen sind die Neubaupreise in der Josefstadt um 17 Prozent auf 4968 Euro gesunken. Die Experten von Immobilien.net erklären das damit, dass die Schmerzgrenze für Wohnungen offenbar bei 5000 Euro liege. Nur in der Innenstadt und in Döbling liegt der Median (jedes zweite Objekt ist teurer, jedes zweite billiger) für neu errichtete Wohnungen über diesem Wert. Die billigsten gebrauchten Wohnungen gibt es in Simmering um 1808 Euro pro Quadratmeter, die teuersten in der Inneren Stadt (7313 Euro). Den höchsten Preiszuwachs (zwölf Prozent auf 2560 Euro) verzeichneten Wohnungen in der Brigittenau.

Einfamilienhäuser verteuerten sich österreichweit um 4,5 Prozent auf 1922 Euro pro Quadratmeter. In Tirol, Kärnten und der Steiermark wurden sie hingegen billiger. In Tirol dürfte die Grenze des Leistbaren bei 2964 Euro erreicht sein, in Kärnten und der Steiermark verbilligten sich vor allem Häuser in strukturschwachen Gegenden.

Laut einer Umfrage von Immobilienscout24.at legen Wohnungssuchende vor allem Wert auf eine gute Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel (84 Prozent), gute ärztliche Versorgung (86 Prozent) sowie Einkaufsmöglichkeiten (81 Prozent). Verlockende Abend- oder Nachtlokale (neun Prozent) oder ein großes Sportangebot (29 Prozent) haben den geringsten Einfluss auf die Standortwahl.

>>> Karte: Wo die Mietpreise am höchsten sind

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.02.2013)

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