Wenn sich Yen-Schulden einfach auflösen

Fremdwährungskredite im japanischen Yen waren bisher eine prächtige Spekulation. Die Yen-Kreditnehmer haben fantastisch profitiert - sofern sie sich früh nach der Jahrtausendwende verschuldet haben. Wie geht es nun weiter?

Wien. Die heimischen Yen-Kreditnehmer haben es wohl nicht bereut, sich in der japanischen Währung verschuldet zu haben. Vor allem nicht in den vergangenen zwei Monaten. Da konnten sie geradezu täglich beobachten, wie sich ihre Kreditschuld stetig verringert hat – ohne auch nur einen Yen getilgt zu haben.

Eine Rückblende: Mitte Oktober notierte der Euro bei 131 Yen. Seither hat die japanische Notenbank immer wieder bekräftigt, dass sie ihre Geldpolitik auch im nächsten Jahr so locker gestalten wird, um eine Deflation zu verhindern und Wirtschaftswachstum zu erzeugen. Soll heißen, die Notenbank wird ihre Geldschleusen noch weiter aufreißen – und den japanischen Yen schwächen, um die Exporte anzutreiben. Das ist gelungen. Japans Währung hat zum Euro an Wert verloren.

 

Kreditschuld ist gefallen

Derzeit notiert der Euro bei über 141 Yen. Die europäische Gemeinschaftswährung hat somit in weniger als zwei Monaten um fast acht Prozent zugelegt. Und das freut die heimischen Yen-Schuldner. Gewinnt der Euro zum Yen an Wert, verringert sich die Kreditschuld des Yen-Kredits.

Ein Beispiel: Ein österreichischer Kreditnehmer hat sich Anfang 2000 zum Gegenwert von 100.000 Euro im japanischen Yen verschuldet. Seit damals hat der Euro deutlich zugelegt. Heute beträgt die Kreditschuld des endfälligen Darlehens nicht mehr 100.000 Euro, sondern nur mehr rund 76.500 Euro. Der Euro-Höhenflug hat seit 2000 fast ein Viertel der Kreditschuld einfach ausradiert.

 

Weniger Zinsen

Allein der Euro-Anstieg seit Mitte Oktober hat dem Yen-Kreditnehmer einen „Gewinn“ von 7000 Euro beschert.

Es kommt noch besser: Seit 2000 musste man für einen Yen-Kredit um rund 34.000 Euro weniger an Zinsen bezahlen, als man für einen entsprechenden Eurokredit berappen hätte müssen. Das Spekulationsgeschäft mit dem Yen hat sich ausgezahlt: 23.500 Euro Kursgewinn und 34.000 Euro Zinsersparnis ergeben ein „Plus“ von 57.500 Euro. Und das bei einem Kredit von 100.000 Euro.

Es gibt aber ein Problem: Es handelt sich um endfällige Kredite. Sollte der Euro zum Yen wieder an Wert verlieren, geht es in die andere Richtung. Dann steigt die Kreditschuld.

 

Jetzt aussteigen?

Die Yen-Schuldner können aber heute schon Vorkehrungen treffen. Es gibt einige Möglichkeiten:
•Sie steigen aus dem Yen aus und wandeln den Fremdwährungskredit in ein Eurodarlehen um. Damit streifen sie den Währungsgewinn von 23.500 Euro ein. Der Vorteil: Sie müssen keine Verluste fürchten.

Der Nachteil: Weitere mögliche Währungsgewinne bleiben ihnen vorenthalten.
•Sie sichern sich nach unten ab, falls der Eurokurs – aus welchen Gründen auch immer – stark abfallen sollte. Dazu können die Schuldner eine Stopp-Loss-Order einziehen. Etwa bei einem Euro-Yen-Kurs von 120 (diesen Kurs gab es zuletzt vor rund einem Jahr, Anm.). Sollte der Euro unter 120 Yen abfallen, dann wird der Kredit automatisch in einen Eurokredit konvertiert. Jene Kunden, die sich Anfang 2000 verschuldeten, können sich dann noch immer über einen Kursgewinn von rund 10.000 Euro und eine Zinsersparnis von 34.000 Euro freuen. Das ergibt ein Plus von 44.000 Euro. Es gibt schlechtere Geschäfte.

Nicht alle Yen-Kreditnehmer haben es aber so rosig erwischt. Etwa jene, die sich relativ spät verschuldet haben: Kreditnehmer, die ihren Kredit 2006 zu einem Kurs von 150 Yen aufgenommen haben. Ihnen steht heute ein Währungsverlust von 6500 Euro zu Buche. Die Zinsersparnis im Yen dürfte den Verlust zwar kompensiert haben. Die Kunden hätten sich aber viele schlaflose Nächte während der Finanzkrise ersparen können.

 

Zinsvorteil ist verschwunden

Über eines müssen sich alle Yen-Kreditnehmer jedenfalls nicht mehr den Kopf zerbrechen: den Zinsvorteil. Den gibt es heute auch im Yen praktisch nicht mehr. Deswegen, weil mittlerweile auch die Eurozinsen extrem niedrig sind. Wer mit seinem Yen-Kredit weiterhin profitieren will, muss also einzig auf einen weiteren Euro-Höhenflug spekulieren. (ker)

Was Sie beachten sollten bei ... Fremdwährungskrediten

Tipp 1

Profitabler Kredit? Um zu eruieren, ob man von einem Fremdwährungskredit profitiert hat, muss man zwei Aspekte beachten: Währungsentwicklung und Zinsersparnis. Die Kreditnehmer, die sich Anfang 2000 um 100.000 Euro im Yen verschuldeten, haben ein tolles Geschäft gemacht. Der Euro legte zu, die Zinsersparnis war beträchtlich.

Tipp 2

Absicherung. Die Yen-Schuldner können sich vor bösen Überraschungen hüten. Und zwar, indem sie Stopp-Loss-Orders einziehen und die Kursgewinne sicherstellen. Wenn sie sich bei einem Kurs von 120 Yen je Euro absichern und der Euro tatsächlich unter diese Marke fällt, hätten jene, die sich im Jahr 2000 verschuldeten, noch immer einen Kursgewinn von 10.000 Euro eingefahren.

Tipp 3

Kein Zinsvorteil mehr. Auf einen Zinsvorteil für Yen-Kredite man in den nächsten Monaten nicht hoffen. Auch die EZB fährt derzeit eine lockere Geldpolitik und drückt die Eurozinsen nach unten. Für einen endfälligen Yen-Kredit, der zum Gegenwert von 100.000 Euro aufgenommen wurde, erspart man sich derzeit gerade sieben Euro pro Monat (bei einer Zinsmarge von 1,5 Prozent).

Tipp 4

Schweizer Franken. Für die Yen-Kreditnehmer lief es zuletzt prächtig. Deswegen sollte man nicht allen Fremdwährungskrediten huldigen. Jene, die sich Anfang 2000 zum Gegenwert von 100.000 Euro im Schweizer Franken verschuldeten, stehen heute mit einem Kursverlust von über 30.000 Euro da, weil der Euro gegenüber dem Franken abgerutscht ist.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.12.2013)

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