Nahost: Hamas kündigt Selbstmord-Attentate an

Zehtausende demonstrieren im Westjordanland gegen den israelischen Militäreinsatz im Gaza-Streifen, der seit sieben Tagen andauert und 430 Palästinenser das Leben gekostet hat. Die radikal-islamische Hamas will ihre Operationen ausweiten.

(c) REUTERS (FADI AROURI)

Auch nach sieben Tagen zeichnet sich kein Ende der israelischen Militärschläge gegen die palästinensische Hamas-Organisation im Gaza-Streifen ab. Bisher sind dabei mindestens 430 Palästinenser getötet worden, 2200 Menschen wurden verletzt.

Hamas kündigt Selbstmord-Attentate an

Ein Hamas-Sprecher warf Israel vor, gezielte Angriffe gegen palästinensische Zivilisten in Häusern, Schulen und Moscheen zu führen. Die radikal-islamische Organisation kündigte an, ihre Operationen auszuweiten und auch Selbstmordattentate verüben zu wollen.

Die Hamas will damit Vergeltung für den Tod ihres Führers Nizar Rayan üben. Bei einem israelischen Raketenangriff waren am Donnerstag in Jabalia nach palästinensischen Angaben Rayan, dessen vier Frauen sowie elf seiner Kinder umgekommen.

Jahrelanger Machtkampf

Die Hamas hatte die allgemeinen Wahlen im Jänner 2006 mit großer Mehrheit gewonnen. Der Machtkampf zwischen Fatah und Hamas hatte im Juni 2007 zur Trennung von Westjordanland und Gaza-Streifen geführt. Die Hamas hatte nach blutigen Gefechten die alleinige Kontrolle über den Gaza-Streifen übernommen. Abbas hatte daraufhin die Hamas-geführte Einheitsregierung von Premier Ismail Haniyeh für aufgelöst erklärt und im Westjordanland ein Fatah-Notstandskabinett unter Salam Fayyad eingesetzt.

Zehntausende demonstrieren am "Tag des Zorns"

Die Hamas hat für Freitag einen "Tag des Zorns" ausgerufen, im Westjordanland protestierten Zehntausende Palästinenser gegen die israelische Offensive.

Allein 3000 Hamas-Sympathisanten demonstrierten in Ramallah. Es kam zu vereinzelten Zusammenstößen mit Anhängern der im Westjordanland regierenden Fatah von Präsident Mahmoud Abbas. Dessen Regierung hatte zuvor ohne Erfolg nicht autorisierte Demonstrationen verboten. Israel hat das Westjordanland bis Sonntag aus Sorge vor Ausschreitungen abgeriegelt.

Bei Protesten in Ost-Jerusalem setzte die israelische Polizei Tränengas ein. Zunächst hatten sich mehrere Tausend muslimische Gläubige bei der Al-Aksa-Moschee friedlich zum Freitagsgebet versammelt, dann warfen Palästinenser Steine auf israelische Polizisten. Dutzende verschleierte Frauen zogen mit Hamas-Fahnen durch Jerusalemer Stadttore. Auch in Pakistan, Indonesien und in der Türkei kam es zu anti-israelischen Demonstrationen. In Wien war ebenfalls eine Protestveranstaltung geplant.

 

(Ag.)