Experten: „Gold schleicht sich nach oben“

In Euro steht der Goldpreis nur 18 Prozent unter seinem Rekord. Die Performance ist stabil. Aber dennoch bleibt es ruhig um das Metall. Es herrscht ja keine Krise. Noch nicht.

Ronald Stoeferle und Mark Valek
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Ronald Stoeferle und Mark Valek
Michele Pauty

Bitcoin, Trump, Yuan-Aufstieg, Brexit und eine türkise ÖVP. Das sind die Themen, die derzeit alles dominieren. Um das Gold ist es ruhiger geworden. Vorbei die Zeiten, in denen das Metall auf den Titelseiten der Boulevardblätter glänzte. Wegen hoher Gewinne – und dann wegen hoher Verluste.

Den Experten Ronald Stöferle und Mark Valek ist das recht. „Gold schleicht sich nach oben“, sagt Stöferle am Donnerstag bei der Vorstellung des bereits 11. Reports mit dem Namen „In Gold we Trust“. Der Goldreport gehört zu den Standardwerken in einer Branche, in der die beiden Wiener inzwischen jeder kennt. Gemeinsam managen Stöferle und Valek in Liechtenstein einen Fonds für Incrementum. Die 180-Seiten Goldreport laufen nebenbei.

Ein festes Kursziel geben die Experten diesmal nicht aus. Aber in ihrem Report zerlegen sie die Entwicklung der Weltwirtschaft und auch der Geopolitik bis ins Detail. Ihr Fazit: Eine Krise ist überfällig. Und Gold ist derzeit noch billig – relativ zu Aktien und Anleihen. „Zwar scheint oberflächlich im Moment an den Finanzmärkten alles in Ordnung zu sein. Wir hallten dies aber für eine angespannte Ruhe, die bald zu Ende gehen könnte“, sagt Stöferle Als Gegengift empfiehlt der Goldexperte – wie könnte es anders sein – ein bisschen Gold.

In allen Währungen außer dem US-Dollar würde man hier schon seit einigen Jahren einen neuen Bullenmarkt ablesen können. Tatsächlich hat sich der Goldpreis etwa in Euro seit 2014 heimlich, still und leise wieder relativ nah an das Allzeithoch herangearbeitet und eine stabile technische Performance gezeigt. Marktstruktur, Stimmung und Preismuster führen Stöferle und Valek auch als Begründung für ihre „grundsätzlich positive Einschätzung zur Kursentwicklung“ an. Allerdings erwarten sie in den nächsten Wochen nur ein „recht schwaches Aufwärtsmomentum.“

„Es ist eigenartig“

Dafür geben sie im neuen Report klare Antworten auf die Frage, wann man kein Gold im Portfolio brauche. Nämlich dann, wenn die Schuldenstände niedrig sind. Wenn die Inflationsgefahr als gering eingestuft wird und die Realzinsen hoch sind. Wenn das Vertrauen in die Notenbanken gefestigt ist. Und wenn die geopolitische Lage stabil und berechenbar ist. Aus der Sicht der Experten gibt es aber bei allen vier Punkten Zweifel. Wobei diese Zweifel sich noch nicht bis zur Masse der Anleger herumgesprochen haben.

„Es ist eigenartig“, sagt Mark Valek. „Wenn man sich die Umfragedaten von Bloomberg ansieht, dann geht jeder einzelne befragte Ökonom davon aus, das wir auch in den nächsten drei Jahren keine Rezession in den USA sehen können. Sie gehen also alle davon aus, dass der aktuelle Aufschwung der längste der Geschichte wird.“

Seit 96 Monaten herrsche in den USA positives Wachstum. Aber wie viel davon ist real – und wie viel dem billigen Geld geschuldet? Am Ende hänge alles an den Zentralbanken, so Valek: „Wir sind der Meinung, dass sich die Gelddruckerei rächen wird, weil man die Zinsen eben nicht so anheben kann wie geplant.“

Die Experten beobachten das US–Wachstum und die Geldpolitik. Nur wenn sich hohes, reales Wachstum zeige und die Inflation unter drei Prozent bleibe, sei die Operation der Notenbanken geglückt. Das sei auch negativ für den Goldpreis. Aber: „Rezession, Stagflation oder eine starke US-Dollar-Abwertung lassen den Goldpreis in die Höhe schnellen.“ Bis dahin schleicht Gold weiter.


[NLLQ5]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.06.2017)

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