Forschung

Michael Stadler: Mit voller Kraft für die Stromnetze der Zukunft

Vor zwei Jahren ehrte ihn Ex-US-Präsident Barack Obama, heute pendelt Michael Stadler als Wissenschaftler und Unternehmer zwischen Kalifornien und Österreich.

(c) Clemens Fabry

Es sei ein unglaublich erhebendes Gefühl gewesen, als US-Präsident Barack Obama im Mai 2016 im Weißen Haus den Raum betreten habe, erzählt der Energieforscher Michael Stadler. Obama kam, um eine Reihe von Forschern aus verschiedenen Disziplinen, darunter auch ihn, zu ehren. „Es gab fünf Minuten lang Standing Ovations. Man spürt, Teil von etwas Größerem zu sein“, schildert Stadler noch heute beeindruckt.

Der 44-Jährige genoss diese Kultur der Anerkennung. In Österreich schwinge in solchen Momenten oft Neid mit. Und so wirkte die hohe Auszeichnung, die er als erster und bisher einziger Österreicher erhielt, als Ansporn, weiterzumachen. Prämiert wurden unter seiner Leitung am kalifornischen Lawrence Berkeley National Laboratory an der Uni von Kalifornien entwickelte mathematische Planungs- und Steuerungsalgorithmen für intelligente Strom- und Mikronetze. Letzteres sind lokale Energienetze, bei denen Erzeugung und Verbrauch lokal gesteuert werden.

Nach seinen größten Erfolgen gefragt, will er sich dennoch nicht auf einen festlegen: Es sei nicht eine einzelne Leistung, Forschung brauche Kontinuität. Viele hätten gute Ideen, diese müssten aber erst – im Team – weiterentwickelt und auf den Markt gebracht werden. Überhaupt sieht Stadler seine Mitarbeiter als Erfolgsgeheimnis dafür, wie er Forschung und Unternehmen unter einen Hut bringt. Seit dem Vorjahr baut er nämlich den Bereich „Intelligente Netze und Mikronetze“ beim Kompetenzzentrum Bioenergy 2020+ im niederösterreichischen Wieselburg auf. Die Forscher verbessern für die Energienetze der Zukunft benötigte Algorithmen, die Energie aus Solarthermie, Biomasse oder Biogas genauso berücksichtigen wie Wärmespeicher. Parallel dazu vermarktet er in seiner Firma in San Diego, Kalifornien, Technologien für erneuerbare Energien und Mikronetze. Nur wenn diese auf den Markt kämen, würde sich nämlich auch etwas ändern. In Kalifornien beobachtet er auf den Straßen bereits viel mehr Elektroautos als in Österreich. Das gebe ihm das Gefühl, dass man es schaffen könne. Er selbst fährt da wie dort ein Elektroauto und versucht, das Beste aus beiden Welten zu verbinden: die exzellente Forschung in Österreich mit dem enormen finanziellen Potenzial des US-Markts.

 

Hin und her zwischen den Welten

Seine Mission ist, einen Beitrag zur Energiewende zu leisten. Diese sei machbar, aber man müsse sich anstrengen. Mit seiner Arbeit will er jedenfalls etwas bewegen. Dabei fasziniert ihn, wie die unterschiedlichen Disziplinen – Kommunikationstechnik, Mathematik, Informatik und Elektrotechnik – zusammenfließen. „Ich lerne jeden Tag etwas dazu“, sagt er.

Die Art, wie Probleme in den USA angepackt werden, gefällt ihm: „Man sieht nicht die Probleme, sondern wie man das Beste daraus machen kann.“ Viel Raum für Freizeit bleibt bei diesem Leben zwischen zwei Kontinenten allerdings nicht. Doch Stadler sieht das als wertvollen Tapetenwechsel. Wobei er Österreich eher mit Urlaub vergleicht als Kalifornien. (gral)

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