Humanitäres Engagement

Emina Saric: Einsatz gegen Gewalt im Namen der Ehre

Emina Saric arbeitet mit jungen Männern aus sogenannten Ehrenkulturen, die sich für ein gleichberechtigtes Zusammenleben einsetzen.

(c) Heroes

Wien. Emina Saric, Leiterin des Projekts „Heroes – Gegen Unterdrückung im Namen der Ehre“ in der Steiermark ist in der Kategorie Humanitäres Engagement als „Österreicherin des Jahres“ nominiert. Zuvor war sie als Beraterin bei der „Frauenspezifischen Beratungsstelle für Migrantinnen – Divan“ tätig.

Saric wurde in Banjaluka in Bosnien geboren und absolvierte eine Montessori-Ausbildung an der Pädagogischen Hochschule in Graz mit anschließenden Geschlechterstudien an der Karl-Franzens-Universität Graz. Sie hält Workshops zum Thema Geschlechterverhältnisse im Kontext von Gewalt im Namen der Ehre und unterrichtet am Ausbildungszentrum für Sozialberufe in Graz. Das Projekt „Heroes – Gegen Unterdrückung im Namen der Ehre“ ist eine Kooperation der Frauenberatungsstelle Caritas Divan sowie des Vereines für Männer und Geschlechterthemen Graz und arbeitet seit Jänner 2017 präventiv mit jungen Männern aus sogenannten „Ehrenkulturen“, die sich für ein gleichberechtigtes Zusammenleben von Frauen und Männern einsetzen.

Diese jungen Männer im Alter von 14 bis 19 Jahren absolvieren eine achtmonatige Ausbildung, die nach dem Abschluss zertifiziert wird, und können dann mit Gleichaltrigen an Schulen zum Thema Ehre und traditionsbedingte Gewalt arbeiten. Das Projekt soll einen Raum bieten, in dem verschiedene Perspektiven und Haltungen zulässig sind, um die eigenen und fremden patriarchalen Vorstellungen zu erkennen, zu hinterfragen und zu überwinden.

„Die Notwendigkeit, mit jungen Männern aus Ehrenkulturen zu arbeiten, erkannten wir im Laufe der letzten Jahre im Rahmen unserer Arbeit in der Frauenberatungsstelle Caritas Divan“, erzählt Saric. „Meine Kolleginnen und ich haben mit Frauen gearbeitet, die von Gewalt im Namen der Ehre wie etwa Zwangsheirat sowie traditionsbedingter Gewalt betroffen waren. Wir haben gesehen, dass wir zwar akut und kurzfristig Hilfe anbieten können, aber keine nachhaltige Veränderung bewirken bzw. keine wesentliche Lösung anbieten.“

 

Konzept stammt aus Berlin

Daher holte sie zusammen mit Christina Kraker-Kölbl das Projekt Heroes, das auf einem Konzept aus Berlin basiert, nach Österreich, um schon bei Jugendlichen anzusetzen. Durch die Zusammenarbeit mit dem Verein für Männer- und Geschlechterthemen Graz seien das fachspezifische Wissen, eine langjährige Erfahrung sowie innovative Idee zusammengeführt und realisiert, die von den Förderungsmitteln des Bundesministerium für Europa, Integration und Äußeres, des Landes Steiermark und der Stadt Graz ermöglicht wurde.

Ihre Motivation für ihre Tätigkeit entstehe aus dem Bedürfnis, „im Sozialbereich gesellschaftspolitisch tätig zu werden und Veränderung in jenen Bereichen herbeizuführen, die uns für neue Wege und Denkweisen im Zusammenleben sowie in der alltäglichen Kommunikation öffnen“, sagt Saric. „Aus meiner Sicht ist es wichtig, Schwachstellen rechtzeitig zu erkennen bzw. auf die Missstände hinzuweisen, die uns in unserer sozialen Entwicklung bremsen.“ (kb)

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