Kulturerbe

Helga Rabl-Stadler: Präsidentin der Herzen mit Energie, Eloquenz

Helga Rabl-Stadler repräsentiert die Salzburger Festspiele klug und niveauvoll. Vermutlich kennt keiner das Publikum so lang und so genau wie sie.

(c) Doris Wild Team

Salzburg/Wien. Sie reist mit den jeweiligen Intendanten durch die Welt, um die Festspiele zu vermarkten, sie pflegt die Sponsoren, sie besucht die meisten Festspiel-veranstaltungen, konversiert in mehreren Sprachen, kennt das anspruchsvolle Publikum, ist mit Stammgästen seit langem in Freundschaft verbunden – und als Klagemauer für Unzufriedene gefragt.

Eine Society-Aufgabe? Keineswegs, in Kunst und Kultur spielen sich oft überraschend heftige Meinungskämpfe ab, die Karten der Salzburger Festspiele sind sehr teuer, das Festival muss den weitaus überwiegenden Teil seines Budgets selbst einspielen – und die Konkurrenz um die noble Klientel ist hart.

Da ist es vorteilhaft, jemanden zu haben, der in Salzburg ist, was Intendanten in der Vergangenheit außerhalb des Festivals öfter nicht waren, und der sich mit Leib und Seele engagiert. Eine Frau, denn viel beschäftigte Männer überlassen die Wahl des Kulturprogramms gern der Gattin. Festspiel-Präsidentin Helga Rabl-Stadler kommt aus einem Modehaus, sie weiß, was Eleganz und Geschmack bedeuten – und sie versteht sich auch aufs Geschäft. Was manche schon vergessen haben: Eine Zeitlang war Rabl-Stadler neben ihrer Präsidententätigkeit auch Geschäftsführerin des Festivals. Das Präsidentenamt versteht sie anders als ihre Vorgänger als Teil der Öffentlichkeitsarbeit, sie ist keine Bewohnerin des Elfenbeinernen Turms, sie weiß, dass man manchmal auch streiten muss, und sie tut es mit der ihr eigenen Eloquenz.

Rabl-Stadler wurde 1948 in Salzburg geboren. Bereits das wirtschaftskundliche Realgymnasium absolvierte sie mit Auszeichnung. Sie studierte Rechtswissenschaften, Politologie und Publizistik und heuerte als Kolumnistin beim „Kurier“ an. In den 1970er Jahren eroberten die Frauen allmählich den Journalismus und mussten harte Kämpfe gegen Diskriminierung in dieser Männerdomäne bestehen, siehe die Netflix-Serie „Good Girls Revolt“.

Rabl-Stadler wechselte in die Politik, sie war von 1983-1990 VP-Nationalratsabgeordnete und Präsidentin der Salzburger Wirtschaftskammer, auch in diesen Positionen nahm sie kein Blatt vor den Mund, Liebedienerei gegenüber der Partei war ihr fremd. 1995 wurde sie als Nachfolgerin des zurückhaltenden Bankiers Heinrich Wiesmüller Festspiel-Präsidentin, in stürmischer Zeit, als der damalige Intendant Gerard Mortier (1943-2014) das sakrosankte Karajan-Erbe umgestaltete und die Regisseure aufwertete, was für einige Kontroversen sorgte.

Mit Mortier focht Rabl-Stadler manches Duell aus, auch mit Alexander Pereira, mit dem derzeitigen Intendanten Markus Hinterhäuser scheint sie in bestem Einvernehmen zu sein. Der Mann weiß, was er an ihr hat. „Niemals mutlos sein, das ist mein Lebensrezept!“, sagte Rabl, Mutter zweier Söhne, in einem ihrer zahlreichen und gern gegebenen Interviews. Man glaubt dieser energischen und energiegeladenen Frau, auf jeden Fall würde sie es sich niemals anmerken lassen, wenn es ihr weniger gut geht. Sie ist eben eine richtige Dame. (bp)

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