Unternehmen mit Verantwortung

Sabine Herlitschka: Digitalisierung als Chance für schlaue Köpfe

Der Halbleiterspezialist Infineon hat Villach zum zweitgrößten Konzernstandort gemacht. 1,6 Milliarden Euro fließen jetzt in eine neue Fabrik.

(c) Michèle Pauty

Villach/Wien. Wenn es um die Wirtschaft in Kärnten geht, fällt jedem das Desaster der Hypo-Alpe-Adria ein. Und sonst? Tourismus. Das ist lange nicht alles. Kärnten hat sich zu einem Hightech-Standort der Sonderklasse entwickelt. Der Treiber: Infineon. Der deutsche Halbleiterkonzern, 1999 aus der Ausgliederung des Halbleitergeschäfts von Siemens entstanden, hat die einstige Siemens-Niederlassung in Villach groß ausgebaut.

Österreich ist neben Deutschland der einzige Standort, an dem die Kompetenzen für F&E, Fertigung und globale Geschäftsverantwortung gebündelt sind. Jetzt setzt der Konzern noch eins drauf – „ein Kompliment für den Standort und unsere hochqualifizierten Mitarbeiter“, sagt Infineon-Austria-Chefin Sabine Herlitschka. Um 1,6 Milliarden Euro entsteht in Villach eine neue, ultramoderne Chipfabrik. Im vollautomatisierten Werk werden 400 hochqualifizierte Arbeitsplätze geschaffen.

Halbleiter, was ist das? „Willkommen in der großen Welt der sehr kleinen Dinge“ – diese Begrüßung auf der Website charakterisiert das Produkt sehr gut: Egal ob Energieeffizienz, Mobilität oder Sicherheit – ob in Autos, Smartphones, Geldkarten, Ausweisen oder Robotern: Chips von Infineon stecken in fast allen Dingen des Alltags.

Forschung und Innovation spielen daher eine wesentliche Rolle. Von den 3780 Mitarbeitern in Österreich arbeiten rund 1500 in F&E, ein Fünftel des Umsatzes von zuletzt 2,5 Milliarden Euro fließt da hinein. Herlitschka, die seit vier Jahren das Österreich-Geschäft verantwortet, lässt keine Gelegenheit aus, auf die Bedeutung der Mikroelektronik hinzuweisen. Nur wenn Europa auf diesem Gebiet alle Kräfte bündle, werde es mit den USA und vor allem Asien mithalten, lautet ihr Credo. Dazu bedürfe es großer Anstrengungen. Herlitschka, die sich für neue Ausbildungsmodelle stark macht, sagt: „Nicht die billigsten Hände, sondern die schlauesten Köpfe sind gefragt.“ Deshalb habe Europa trotz hoher Lohnkosten eine Chance.

Infineon geht mit gutem Beispiel voran: Menschen aus 60 Nationen stellen dem Halbleiterspezialisten ihr Hirnschmalz zur Verfügung. Das kommt nicht von selbst: Rund eine Milliarde Euro hat Infineon in den vergangenen zehn Jahren investiert, in den Ausbau der Fabriken und in Aus- und Weiterbildung.

Es fängt ganz früh an: Der zweisprachige Kindergarten verfolgt einen neuen pädagogischen Ansatz und setzt auf interkulturelle Erziehung. Kleine Forscher können sich im Mini-Laboratorium austoben. Natürlich ist der Kindergarten rund ums das Jahr ohne Ferienschließzeit offen. Weshalb er inzwischen auch für „Nicht-Infineon-Kinder“ offen ist. Weiter geht es mit der Förderung einer „virtuellen“ Klasse in einer HTL in Klagenfurt. Schüler aus allen Abteilungen und Jahrgängen lernen und forschen gemeinsam und abteilungsübergreifend.

Ganz neu ist eine Stiftungsprofessur der Uni Klagenfurt und der Technischen Uni Graz, die sich der „Industrie 4.0: Adaptive und Vernetzte Produktionssysteme“ widmet. Infineon gehört zu den Stiftern. (eid)

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