Grasser-Vorlesung: Gastprofessoren gar nicht ''supernackt''

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Kabarettistische "Vorlesung" aus den Telefonprotokollen von Gesprächen der im Buwog-Skandal Beschuldigten Walter Meischberger, Ernst Karl Plech und Karl-Heinz Grasser. Die Veranstaltung am Montag, dem 17. Jänner, war wegen großem Interesse ins Audimax der Universität Wien verlegt worden. Trotzdem - der Andrang war zu groß.

(felb)(c) Felbermayer
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Eine halbe Stunde vor der Lesung mit den Kabarettisten Florian Scheuba, Robert Palfrader und Thomas Maurer war der Saal gerammelt voll - keiner kam mehr rein.

"Es sind rund 1.000 Menschen im Hörsaal", sagte der stellvertretende "Falter"-Chefredakteur Florian Klenk - "und sicher noch einmal so viele mussten wir bereits wegschicken."(c) Felbermayer
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Auch wenn diese Zahlen leicht übertrieben sind - bummvoll war der Audimax auf jeden Fall - und viele standen vor verschlossenen Türen. Klenk fungierte in den Ankündigungen als "Regisseur" des Abends, für dessen Titel ein Meischberger-Zitat verwendet wurde: "Supernackt".(c) Felbermayer
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Bei dem gegebenen Stück handle es sich um ein "postmodernes Drama" über einen Menschen "im Fadenkreuz der Globalisierung" hatte Florian Scheuba im Vorfeld gegenüber dem "Falter" gemeint. Am Schluss stehe der Protagonist "vor der nahezu Hamlet'schen Frage": "Was woa mei Leistung?" Die Telefonprotokolle der Ermittler wurden vom "Falter" veröffentlicht, nachdem sie Teil von parlamentarischen Anfragen geworden waren.(c) Felbermayer
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Auch im Publikum vertreten waren Grasser-Anwalt Manfred Ainedter und sein Kollege Michael Pilz, der Rechtsvertreter des von Grasser im Zuge der Buwog-Affäre geklagten ehemaligen Kabinettsmitarbeiters Michael Ramprecht. Rechtsbeistand muss eben sein.(c) Felbermayer
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Die öffentliche Verlesung der Protokolle beurteilte Ainedter als "kabarettistisch hochwertig, aber rechtlich bedenklich. Die Causa Grasser verkommt immer mehr zur Posse."(c) Felbermayer
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Die Grüne Abgeordnete Gabriela Moser, die durch eine parlamentarische Anfrage die Berichterstattung über die Protokolle ermöglicht hatte, ließ sich das Spektakel ebenso wenig entgehen wie etwa ORF-Mann Armin Wolf, Ex-SP-Wissenschaftssprecher Josef Broukal oder Ex-Staatsoperndirektor Ioan Holender.(c) Felbermayer
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Eröffnet wurde der Abend vom Dekan der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Uni Wien, Heinz Mayer. Da eine Vorlesung kein Medium sei, gelte für die Veranstaltung das Medienrecht nicht, begründete er die Rechtmäßigkeit der Auswahl des Vorlesestoffs.(c) Felbermayer
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Dies sei freilich für die Berichterstattung darüber in Text, Bild und Ton anders, weswegen er die zahlreichen im Saal anwesenden Journalisten vor Veröffentlichungen warnte: "Das kann sie bis zu 100.000 Euro kosten!" Wir gehen dieses Wagnis ein.

Im Bild: Falter-Chefredakteur Armin Thurnher.(c) Felbermayer
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Meyer bedankte sich bei den drei eingeladenen "Gastprofessoren", den Kabarettisten Florian Scheuba, Robert Palfrader und Thomas Maurer: Diese drei Herren hätten nichts kassiert, und auch nicht mitkassiert.(c) Felbermayer
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Die Drei lasen mit verteilten und immer wieder wechselnden Rollen nicht nur aus den Telefonprotokollen von Gesprächen von Walter Meischberger, Ernst Karl Plech und Karl-Heinz Grasser, sondern auch aus den Tagebüchern Meischbergers.(c) Felbermayer
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Nicht nur aus den nach parlamentarischen Anfragen veröffentlichten Passagen wurde vorgelesen, sondern auch aus bisher unveröffentlichten Teilen der Abhörprotokolle. Was dabei auffiiel: Durch das Vorlesen der Protokolle wurde einem noch mehr die Skurrilität der aufgezeichneten Gespräche bewusst.(c) Felbermayer
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Den größten Lacher erzielte der bereits bekannte Sager "Was woa mei Leistung?", der vom Kabarettisten-Trio in einer schier unglaublichen Dramaturgie wie ein Abschlussgag eines Sketches gebracht wurde. Weniger gelungen wurde hingegen beim bekanntesten Sager - "Da bin ich supernackt" - performt, die Lacher waren daher eher flau. Vielleicht ist der Reiz dieser Worte schon einer gewissen Reizüberflutung gewichen.(c) Felbermayer
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Die "Pflichtübung zur österreichischen Realverfassung" wie es Klenk formulierte ließen sich auch viele Mitakteure der Buwog-Affäre nicht entgehen. Klenk bedankte sich etwa ausdrücklich bei jenem Informanten, dem er die geheimen Protokolle verdanke, und der sich an diesem Abend auch im Saal befinde.(c) Felbermayer
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Conclusio: Ein gelungener Abend mit Einblick in die Netzwerke hinter der österreichischen Politik. Präsentiert mit einem Augenzwinkern, doch nicht außer acht lassend, dass es sich hier um ein sehr ernstes Thema handelt. Für alle, die keinen Platz mehr im Audimax gefunden haben: Die "Vorlesung" wird am 31. Jänner wiederholt.(c) Felbermayer
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