Nahversorger und Edelgreißler: Herrn Simonis' vierter Streich

Marco Simonis hat mit seinem Urban Appetite 1040 die bereits vierte Mischung aus Delikatessenshop und Nahversorger eröffnet.

Marco Simonis in seinem neuen Geschäft in der Taubstummengasse 13.
Marco Simonis in seinem neuen Geschäft in der Taubstummengasse 13.
Marco Simonis in seinem neuen Geschäft in der Taubstummengasse 13. – (c) Photo Simonis

Die Greißler haben es hierzulande bekanntlich nicht leicht. Wenn von ihnen die Rede ist, dann immer nur in Zusammenhang mit ihrem Verschwinden. (Was in der Regel bedauert wird, gekauft wird dann aber doch lieber im Supermarkt.)

Dass das Greißlerdasein aber durchaus funktionieren kann, zeigt Marco Simonis mit seinem mittlerweile vierten Standort. Nämlich dann, wenn das Ganze in gehobener Form, die viel mehr an ein Delikatessengeschäft erinnert, praktiziert wird. Simonis versteht seine Geschäfte als eine Mischung aus Nahversorger, Delikatessengeschäft, in dem auch Accessoires und sogar Kunst Platz haben, und kleinem Bistro, in dem vom Kaffee mit Croissants oder Sandwiches über den Mittagstisch bis hin zum (frühen) Aperitif (um 19 Uhr ist Schluss) kredenzt werden.

Von der Bio-Milch bis zum Gin

„Es war immer die Idee, in der Dominikanerbastei den Flagship-Store zu haben und das Konzept auf andere Bezirke auszuweiten“, sagt Simonis, der das Unternehmen mit seiner Frau, Ulli Simonis, führt (die ein bisschen fotoscheu ist). 2014 hat er ebendort die Bastei10 eröffnet. „Ich war am Anfang sehr unentspannt und wollte gleich eine Neueröffnung nach der nächsten machen. Zum Glück hat es gedauert, bis wir Locations gefunden haben.“ Anfang des Vorjahres folgte mit dem Urban Appetite 1060 in der Theobaldgasse der zweite, kleinere Standort. Im Oktober 2017 hat sich ein weiteres Projekt ergeben: die Kantine in der Modecenterstraße. Auch die werde gut angenommen. „Die Leute sind ganz begeistert und fragen, was wir anders machen, weil sie plötzlich am Nachmittag nicht mehr müde sind.“ Wobei er für sich selbst nicht viel anders macht. Es werde eben frisch gekocht, „ohne Suppenpulver oder andere Dinge, die ab einer gewissen Größe meist verwendet werden“.

Heuer hat sich dann in der Taubstummengasse ein weiterer Standort ergeben. Aus einer ehemaligen Trafik wurde das Urban Appetite 1040. Im vorderen Bereich steht eine kleine Bar mit Vitrine, in der Sandwiches, Salate und Süßes angeboten werden. Die gibt es entweder zum Mitnehmen oder können gleich direkt am Fenster auf ein paar Barhockern mit Blick auf die Straße eingenommen werden. In einer kleinen Kühlvitrine warten Bio-Eier, Milch aus Glasflaschen, Schinkenspeck vom Biohof Erdinger, Bio-Wildhendl, Wein oder auch der Hopfel, ein mit Hopfen verfeinerter Cidre vom Kärntner Weingut Georgium.

Im hinteren Bereich erstreckt sich ein langes Regal, in dem sich feinste Produkte finden: Weine, Spirituosen, spezielle Öle, Schokoladen, Nüsse, aber auch ein Tisch mit frischem Gemüse, das vorwiegend aus Wien und Umgebung stammt (Gärtnerei Bach, Biohof Mader), aber auch aus Italien. „Die Artischocken sind nicht älter als 24 Stunden, da steckt eine irrsinnige Logistik dahinter.“

Dazwischen gibt es hübsche Tischaccessoires und auch ein bisschen Kunst. Die hintere Wand zieren Schwarz-Weiß-Fotografien. Immerhin leitet sein Bruder, Philipp Simonis, das traditionsreiche Wiener Fotostudio Simonis. Am Standort in der Dominikanerbastei hat Kunst etwas mehr Platz, dort finden auch regelmäßig Ausstellungen statt (derzeit etwa Bilder von Ina Fasching). „Wir verstehen uns nicht als Galerie, aber als eine Art Plattform für Kunst.“

Am wichtigsten sei ihm allerdings die Rolle des Nahversorgers, der eben jene Produkte bietet, die man selbst im Supermarkt nicht findet. Das reicht vom Käsleberkäse aus dem Hause Döllerer, der hier jeden Freitag verkauft wird, bis hin zu so manchen Einrichtungsgegenständen, erklärt das Ehepaar Simonis. Wie bestellt betritt eine Frau das Geschäft und bittet um ein paar Ranunkeln, die in einem großen Kübel das Geschäft schmücken. Sie war schon im ersten Bezirk Stammgast, sei jetzt aber über die Neueröffnung heilfroh. Sie wohne nämlich vis-à-vis. „Wir wollen, dass sich die Kunden hier wohlfühlen“, sagt Simonis. „Im Idealfall kommen sie bei der Tür herein und wir wissen schon, wie sie ihren Lieblingskaffee trinken wollen.“

ZUR PERSON

Marco Simonis war zuvor beim Catering-Unternehmen Frederik's tätig und hat 2014 die Bastei10 (Dominikanerbastei 10) in der Wiener Innenstadt eröffnet: eine Mischung aus Delikatessengeschäft, Bistro und Shop für Accessoires und Kunst. Im Vorjahr hat er eine kleinere Version davon mit dem Urban Appetite 1060 (Theobaldgasse 14) eröffnet sowie Die Kantine (Modecenterstraße 14). Vergangene Woche folgte mit dem Urban Appetite 1040 (Taubstummengasse 13) der vierte Standort (Mo bis Fr, 8–19 Uhr). www.marcosimonis.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.03.2018)

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