Wünsche an den Himmel – Wünsche für Isaac

Die Stipendiaten des Forums Alpbach gedachten in einer berührenden Feier ihres 23-jährigen Kollegen Isaac aus Ghana, der bei einem Badeunfall ums Leben gekommen war – und erinnerten sich an seine Fröhlichkeit und Lebenslust.

Gedenken an Isaac
Gedenken an Isaac
Gedenken an Isaac – (c) Roßboth

Das Bild war bunt, als die Ballons aufstiegen. An jedem der mehr als 1500 Ballons war ein kleiner Zettel mit einem Wunsch geknüpft. Mit einem Wunsch an den Himmel. Mit einem Wunsch für Isaac.

Dieses bunte Bild bei der Gedenkfeier der Stipendiaten des Europäischen Forums für ihren verunglückten Kollegen stand symbolisch für die Fröhlichkeit und Lebensfreude, die der 23-Jährige in Alpbach vermittelt hatte. Adjektive wie positiv, charismatisch, energisch und witzig schreiben ihm alle zu, die mit ihm die Summer School, Vorträge oder Partys besucht hatten. Er sei eben auf seine Weise außergewöhnlich gewesen.

Das betraf auch seine Einstellung zu Herkunft, Leben in der Gegenwart und Zukunft: Isaac habe sich ganz offenbar nicht nur als Ghanaer gefühlt, sagt Johannes Purtscher, der Vorsitzende des Netzwerks der Alpbach-Alumni-Clubs. Vielmehr als Kosmopolit: Isaac hatte das Land, in dem er zur Welt gekommen war, verlassen, um in Südkorea Wirtschaft zu studieren. Wie selbstverständlich hatte er deshalb auch koreanisch gelernt.

Unaufdringlich auffallen

Das habe er, Purtscher, der auch die Gedenkfeier moderierte, besonders beim International Evening bemerkt. Isaac sei ihm von der Bühne aus aufgefallen, weil er mit Kapperl und Kopfhörer zur Veranstaltung gekommen und ohne aufdringlich zu sein aufgefallen sei. An diesem Abend waren die beiden ins Gespräch gekommen – über das Leben und auch über Fußball.

Den intensivsten Kontakt hatte Isaac während des Forums, das er als Stipendiat besucht hatte, mit seinen Zimmerkollegen. Isaac verbinde er mit stetigem Lächeln und vielen Scherzen. Man habe ihn so gut wie nicht provozieren können, denn er sei nie verlegen gewesen, mit einem Witz zu kontern, so Zimmerkollege Sefer Ülger. Mehrmals habe er ihm und anderen gesagt: „Nimm das Leben nicht zu ernst.“

Ein gemeinsamer Moment ist Ülger besonders in Erinnerung geblieben. Die Stipendiaten saßen in ihrer Pension gemeinsam beim Frühstück, als im Tiroler Regionalradio eine Ballade von Schlagersänger Semino Rossi lief. Isaac habe die Melodie so gut gefallen, dass er das Lied unbedingt downloaden wollte. Der Titel, sagt Ülger, hätte gut zu Isaac gepasst: „Ich danke dir.“

Ständig zusammen war Isaac auch mit seinem anderen Zimmerkollegen Yazen Attoun. Er war auch dabei, als das Unglück am Donnerstagnachmittag passierte. Zuvor hatten sie eine Wanderung auf das Wiedersberger Horn unternommen und waren dann zum Badesee in Reith im Alpbachtal gefahren, um sich zu erfrischen. Sie hatten mit Kindern im Bad noch Fußball gespielt. Dann war Isaac von einem ein Meter hohen Sprungbrett ins Wasser gesprungen – und letztlich ertrunken. Alle Bemühungen, das Leben des jungen Manns zu retten, blieben erfolglos.

Sehnsucht nach der Familie

Für Isaac war die Teilnahme am Forum in Alpbach die erste Reise nach Europa. Der Abstecher in die Tiroler Berge sollte dabei die erste von mehreren Stationen sein. Über Wien wollte er im Anschluss an das Forum nach Tschechien reisen, wo einer seiner Brüder studiert. Danach wollte er auch seinem anderen Bruder in der Ukraine einen Besuch abstatten, um anschließend auch seine Freundin in ihrer Heimat im Baltikum zu sehen. In den vergangenen Tagen hatten sie Pläne für das Treffen geschmiedet.

Attoun erinnert sich auch, wie Isaac von seinen Eltern in Ghana erzählte. Seit drei Jahren habe er sie nicht mehr besucht. Er hatte – trotz aller Weltoffenheit – auch von seiner Sehnsucht nach einem Wiedersehen erzählt und überlegt, wie sich eine Ghana-Reise noch heuer realisieren lasse. „Enjoy life – it's too short“, das habe ihm Isaac in diesen wenigen Tagen immer wieder gesagt.

„Isaac's Cup“ als Andenken

Der Fußballplatz war nicht zufällig als Ort für die Gedenkfeier ausgewählt worden. Denn Isaac war ein leidenschaftlicher Fußballer und Fußballfan. Eigentlich hätte er am Freitag beim traditionellen Fußballturnier des Forums mitspielen sollen (siehe Bericht unten). Ganz spontan hatte ihn ein Team angesprochen. Isaac sollte die Mannschaft „Menschen-Gl-Alpbach“ (schnell ausgesprochen soll der ungewöhnliche Name so ähnlich wie „Mönchengladbach“ klingen) unterstützen. Isaac habe zwar auf seine Knieprobleme hingewiesen, aber dennoch begeistert zugesagt, erzählt die Kapitänin des Teams.

Fußball war eben seine Leidenschaft. Und genau das bewog die Turnier-Organisatoren um Christoph Raz, das Sportereignis nicht abzusagen. Mehr noch: Johannes Purtscher kündigte bei der Gedenkfeier an, dass das Turnier ab dem kommenden Jahr im Gedenken an den Verstorbenen „Isaac's Cup“ heißen wird. Außerdem wird es einen Wanderpokal geben, der mit dem „Isaac's Cup“ verbunden bleibt. (mhk)

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