Und was wird heuer passieren?

Ohne Aufreger geht's offenbar nicht bei den Wirtschaftsgesprächen in Alpbach. Mal ist es der Telekom-Skandal, mal ein deftiger Sager von Christoph Leitl, mal der Rücktritt des Finanzministers.

Symbolbild: Alpbach
Symbolbild: Alpbach
Symbolbild: Alpbach – (c) Katharina Roßboth

Vergangenes Jahr war's der Michael Spindelegger. Im Jahr davor der Christoph Leitl. Und ein Jahr davor die Maria Fekter. Treue Alpbach-Besucher haben das Rätsel längst gelöst: die Wirtschaftsgespräche in Alpbach – ohne Aufreger geht hier gar nichts. Jahr für Jahr trifft sich hier alles, was in Wirtschaft und Politik Rang und Namen hat. Jahr für Jahr wird hier auch einiges geboten: spannende Vorträge, heftige Diskussionen, illustre Gäste – und nicht zu vernachlässigen: reichlich Gesprächsstoff, der mit dem offiziellen Teil herzlich wenig zu tun hat.

Vergangenes Jahr sorgte also Michael Spindelegger für das Thema in Alpbach. Mit seinem Rücktritt. Die Nachricht verbreitete sich binnen weniger Minuten in dem kleinen Dorf. Möglicherweise hatten es einige Alpbach-Veteranen aber eh schon kommen sehen. Jene nämlich, die schon zwei Jahre davor bei den Wirtschaftsgesprächen dabei gewesen waren. Da hatte sich das ganze Unheil des Michael Spindelegger schon abgezeichnet: 2012 war das, und ÖVP-Finanzministerin war eine gewisse Maria Fekter.

Was Spindelegger so überhaupt nicht recht war, weil er den Job selber wollte. In Wien feilte er also an seinem diskreten Plan, das Finanzressort an sich zu reißen. Flugs wurde das Thema nach Alpbach exportiert: Der Wirtschaftsbund nützte die Bühne, um gegen die Rochade zu protestieren. Sie wurde postwendend abgeblasen, die Gäste der Wirtschaftsgespräche hatten also einmal mehr ausreichend Gesprächsstoff.

Die Wirtschaft kann's auch

2013 zeigte Wirtschaftskammer-Chef Christoph Leitl, dass die ÖVP nicht unbedingt eine Obmanndebatte braucht, um von Tirol aus die gesamte Republik zu erschüttern. Das war jener Sommer, in dem Leitl seinen Sager vom „abgesandelten“ Wirtschaftsstandort machte. Er erntete dafür gleichermaßen Zuspruch und Empörung. Und Alpbach hatte seinen Eklat. Merke: Was die Politik kann, kann die Wirtschaft auch. Nämlich für Wirbel sorgen, für Skandälchen, für atemloses Getuschel.

Waren Sie 2011 bei den Wirtschaftsgesprächen? Dann erinnern Sie sich sicher an das Thema, das in Alpbach die Runde machte: Damals war der Telekom-Korruptionsskandal bekannt geworden. Was an sich reichlich Stoff für Getuschel bot. Doch in Alpbach stand das seltsame Benehmen von Telekom-Chef Hannes Ametsreiter im Mittelpunkt des Interesses: Kommt er, kommt er nicht? Das war die in Tirol am häufigsten gestellte Frage. Eine Antwort blieb der Konzern lange Zeit schuldig – etliche hoch bezahlte Berater mussten noch konsultiert werden.

Ametsreiter kam dann nicht nach Alpbach. Mit der Begründung, er habe in Wien „viel zu erledigen“. Was dann doch ein bisschen merkwürdig war – angesichts der Tatsache, dass die Telekom zu den Hauptsponsoren der Wirtschaftsgespräche gehörte. Aber wird schon nicht gelogen gewesen sein. Aufreger am laufenden Band also. Oft auch im Nachhinein – wenn sich herausstellte, dass inmitten des Großevents auch so manch ein Deal eingefädelt wurde. Sehr diskret, versteht sich.

Hans Haider, einst Chef des Stromkonzerns Verbund, war jahrelang Alpbach-Gast. „Das war eine tolle Sache, weil es in Alpbach so ein angenehmes Umfeld und eine gelöste Atmosphäre gab“, erzählt er. Was bietet sich da mehr an, als zu antichambrieren, um große Pläne zu verwirklichen? „Gute Gelegenheiten ergeben sich oft bei einem ungezwungenen Gespräch“, sagt Haider. Er hat seinerzeit, im Jahr 1998, das beste daraus gemacht.

Da traf er in Alpbach den damaligen SPÖ-Verkehrsminister Caspar Einem, der für die Telekom-Branche und für die ÖBB zuständig war. Haider sprach Einem in geselliger Runde an und bekam auch prompt ein Plazet: Es war quasi die Geburtsstunde der neuen Mobilfunkmarke tele.ring – die vom Verbundkonzern und den ÖBB gemeinsam gegründet wurde.

Jahre später, 2006, setzte Haider wieder auf die lockere Stimmung in Alpbach. Hier traf er Helmut Draxler, Mitglied des OMV-Aufsichtsrates – und der roten Reichshälfte zugetan. Haider ging in einer Diskussionspause spontan auf einen halbstündigen Spaziergang mit Draxler – und unterbreitete ihm die Idee einer Fusion von Verbund mit OMV. Draxler war elektrisiert von der Idee und informierte den damaligen OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer, der ebenso begeistert war.

Aus der Sache wurde dann bekanntlich doch nichts. Für Schlagzeilen im In- und Ausland sorgte sie trotzdem. Und für einen Aufreger in Alpbach allemal.

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