Generation Z will keine Verantwortung übernehmen

"Zwischen Pippi Langstrumpf und Nine to Five". "Die Presse", JTI und Suchocki Executive Search diskutierten über die Arbeitnehmer der Zukunft.

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(c) Katharina Roßboth

Christian Scholz kennt sie genau, er hat sie studiert. Der Professor an der Universität des Saarlandes erforscht die „Generation Z“. Das sind also die 20- bis 25-Jährigen, die eben auf den Arbeitsmarkt drängen und völlig anders ticken. Anders als die Generation Y, anders als die Babyboomer sowieso. „Vor zwei, drei Jahren haben wir festgestellt, da tut sich was“, erzählt der gebürtige Oberösterreicher. War die Generation Y – die Millennials – selbstbewusst, karrieregeil und skeptisch gegenüber dem Staat, so sind die „Z-ler“ völlig anders: „In dieses Hamsterrad wollen sie gar nicht hinein“, sagt Scholz. Sie hassen Ungewissheit, fordern klare Strukturen ein, so wie sie es bei ihren Helikopter-Eltern gelernt haben.

Willkommen auf der Zirmalm. Dorthin wanderten Mittwochmorgen neben Christian Scholz Unternehmer, Manager und Experten, um auf Einladung von „Presse“, JTI und Suchocki Executive Search über die „Arbeitnehmer der Zukunft“ zu diskutieren. „Zwischen Pippi Langstrumpf und Nine to Five“, lautete das Motto. Ein Thema, bei dem Oliver Suchocki gleich in die Rolle des Advocatus Diaboli schlüpft. Der Chef von Suchocki Executive Search warnt vor Pauschalierungen. „Unternehmen müssen nicht jedem Trend hinterherlaufen“, sagt der erfahrene Headhunter. Auch aus einer Generation Z werden verantwortungsvolle Mitarbeiter, spätestens wenn sie selbst Verantwortung für eine Familie tragen müssen.

Ralf-Wolfgang Lothert, Mitglied der Geschäftsleitung von Japan International Tobacco (JTI) in Wien, pflichtet Suchocki bei, dass selbst bei den Z-lern nicht so heiß gegessen werde, wie gekocht. Doch seien es die Mitarbeiter der Zukunft, und darauf müsse sich ein Konzern mit 27.000 Mitarbeitern einstellen. „Wir müssen verstehen, wie die ticken“, sagt Lothert. Unternehmen, die dies am ehesten verstehen, werden einen Wettbewerbsvorteil haben.

Gut und schön, aber deshalb müsse das Projektgeschäft dennoch abgewickelt, müssen Auftragsspitzen bewältigt werden, sagt Robert Massimo, Exportchef des Tiroler Leuchten- und Lichtsysteme-Herstellers Planlicht. Im Zuge der Diskussion kristallisierte sich heraus, dass vieles im Umbruch ist. „Ich glaube, dass wir in der Postmoderne angekommen sind“, sagt Markus Tomaschitz, Direktor bei AVL List in Graz. Die Generation Z kennt kein Rennen nach dem Schulskikurs, da gibt es keine Gewinner und Verlierer. Immer weniger Junge wollen Führungsverantwortung übernehmen, berichtet er.

Diese neue Generation will Teil eines Teams sein, nicht Teamchef, sagt auch Wissenschaftler Scholz. Während für die Generation Y noch Arbeit am Wochenende oder Mail-Checken im Urlaub selbstverständlich ist, tendieren die Z-ler zu Nine to Five. Das hieße aber nicht, dass sie faul oder unproduktiv seien. Es gebe längst Start-ups mit klaren Regeln. „Nach fünf Uhr beginnen Freizeit und Familie“, sagt Scholz. Während die Wirtschaft flexiblere Arbeitszeiten fordert, seien die in den 70er-Jahren geschaffenen Arbeitszeitgesetze geradezu maßgeschneidert für die Generation Z, so Scholz.

Alles Utopie? „Keineswegs“, sagt Massimo und erzählt von einer Niederlassung in Finnland. Dort werde jetzt von sieben bis 16 Uhr gearbeitet. Ohne Probleme. Kein Finne käme schließlich auf die Idee, nach 16 Uhr im Büro anzurufen. (gh)

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