Alpbach wird kleiner, die Strecke nie

Radfahren. Mountainbiken ist in den Tiroler Bergen naturgemäß ziemlich anstrengend. Schon allein für den Ausblick aufs Tal und darüber hinweg lohnt es sich aber.

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Katharina Roßboth

Dass die Tiroler Bergwelt nicht so flach ist wie die netten Panoramakarten von Alpbach, die in den örtlichen Quartieren im A3-Format aufliegen, ist ja wohl klar. Dass die Erhebungen in der 3-D-Ansicht harmloser aussehen, als sie sind, kann man sich auch leicht ausmalen. Wie steil es aber in der Natur wirklich bergauf geht, überrascht denn doch noch einmal – vor allem dann, wenn man auf einem Fahrrad sitzt und schwitzt.

Ich habe mich für die Mountainbike-Route 308 zur Sieglbichlalm entschieden. Sie führt durchs Zentrum von Alpbach, sodass ein Einstieg leicht zu finden ist; sie ist (größtenteils) eine Rundtour und damit feiner als eine Fahrt hin und zurück über dieselbe Strecke; und der Zeitbedarf wird in der offiziellen Beschreibung mit zwei Stunden angegeben – die Ausfahrt passt also in die Mittagspause.

Starten wir beim Congress Centrum. Wir folgen der Dorfstraße bergauf bis zur Dorferbachbrücke, wo ein weißer Pfeil auf blauem Grund nach links weist. Das Mountainbike-Piktogramm in Rot neben dem Pfeil steht für „mittel“.

Mit dem E-Bike geht's leichter

Danke, denke ich mir, undfinde es schwer genug, während ein etwas älterer Herr genüsslich mit einem E-Bike an mir vorbeizieht. Das ist natürlich eine Option für Alpbach-Besucher, die mit dem Rad in die Höhe kommen möchten, aber sich die Plackerei nicht antun wollen oder können. Ganz locker ist die Strecke allerdings auch mit Motor-Unterstützung nicht zu fahren. Doch davon später.

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Spitzkehre um Spitzkehre geht es also bergauf. Die Jausenstationen Zottahof und Oberthaler kommen, noch deutlich vor der Hälfte des Anstiegs, für eine Stärkung fast zu früh: Man könnte geneigt sein, umzukehren. Das ist aber nicht der Zweck der Aktion; es heißt weiterfahren und Alpbach immer kleiner werden sehen – sehr im Gegensatz zur verbleibenden Strecke, die nicht enden zu wollen scheint.

Tatsächlich beträgt der Höhenunterschied vom Start auf rund 1000 Metern Seehöhe bis zum höchsten Punkt knapp 700 Meter; verteilt auf eine Strecke von 6,5 Kilometern sind das mehr als zehn Prozent Steigung. Die – freilich wesentlich längere – Großglockner Hochalpenstraße steigt im Durchschnitt nicht stärker an, sondern etwas schwächer. Während Profis allerdings die Asphaltstrecke über den Hauptkamm der Hohen Tauern mit dem Rennrad fahren, unternehme ich meine Ausfahrt mit dem Mountainbike samt kleinem Kettenblatt vorne und großem Ritzel hinten. Das macht das Treten, um nicht zu sagen: Strampeln leichter. Ein Rennrad würde sich auf dem groben Untergrund, der bald nach dem Oberthaler einsetzt, ohnehin gar nicht gut machen.

Auf 1450 Höhenmetern gibt mir ein kleines Denkmal den willkommenen Anlass, eine kurze Verschnaufpause einzulegen: Überreste eines US-Langstreckenbombers, der am 25. Dezember 1944 vom süditalienischen San Pancrazio Richtung Hall in Tirol fliegend über dem Hösljoch abgeschossen wurde. Die zehnköpfige Crew überlebte dank Fallschirmen.

Wo ist die Sieglbichlalm?

Mich erreicht indes ein Anruf, der dringender ist und länger dauert, als mir lieb ist: So viel Pause hätte ich auch wieder nicht gebraucht. Umso beherzter lege ich dann die verbleibenden 200 Höhenmeter zurück. Oben angekommen, labe ich mich an der Aussicht über das winzige Alpbach und das große Alpbachtal. Mehr gibt es an dieser Stelle nicht: Die Sieglbichlalm ist alles, nur keine Jausenstation, und angesichts der fortgeschrittenen Zeit kommt ein Besuch des nicht mehr fernen Schatzberghauses nicht in Frage.

Egal, auch das war nicht der Zweck der Aktion. Ab sofort geht es nur noch bergab, ein erstes, ganz kurzes Stück richtig steil. Das ist die Stelle, an der ungeübte Radler auf einem E-Bike besonders aufpassen sollten. Durch den Wald fahre ich im Zickzack bergab bis zum Oberen Höhenweg, der über Rossmoos zurück zur Dorferbachbrücke führt. Nach zwei Stunden erscheint Alpbach wieder im Maßstab 1:1.


[NT6BZ]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.08.2017)

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