Förderung

Die Verwalterin der Stipendien

700 Stipendiaten kommen jedes Jahr nach Alpbach. Sonja Jöchtl ist für den Prozess dahinter verantwortlich. Sie koordiniert die Auswahl der Teilnehmer, sucht nach internationalen Partnern und kümmert sich um die Finanzierung.

Sonja Jöchtl ist seit 2016 Geschäftsführerin der Stiftung Alpbach.
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Sonja Jöchtl ist seit 2016 Geschäftsführerin der Stiftung Alpbach.
Sonja Jöchtl ist seit 2016 Geschäftsführerin der Stiftung Alpbach. – Katharina Roßboth

Das absolute Limit. Diese Formulierung wählt Sonja Jöchtl, wenn sie von der Zahl der Stipendiaten spricht, die das Forum Alpbach besuchen. Die liegt bei 700 und wird es auch bleiben, sagt die Geschäftsführerin der gemeinnützigen Stiftung Alpbach, die jedes Jahr hunderten Menschen ermöglicht, zum Forum zu kommen. Mehr, sagt sie, gehe schon deswegen nicht, weil man mehr gar nicht im Ort unterbringen könnte. Und weil sonst auch die Qualität der Seminare und Veranstaltungen leiden würde. Seit Jänner 2016 arbeitet die 41-Jährige in dieser Funktion. Und kümmert sich darum, das Geld für die Stipendien zusammenzubekommen und die Teilnehmer zu rekrutieren.

Eine Million Euro hat sie dafür jedes Jahr zur Verfügung – zusammengesetzt aus Zuwendungen und Spenden. Die Stiftung trägt für die Stipendiaten die Hälfte der Kosten, die andere steuern Sponsoren bei. Wobei der Umfang der Stipendien von der Erlassung der Teilnahmegebühr bis zum Vollstipendium mit freier Unterkunft und Verpflegung reicht. Gesucht wird nach Menschen unter 30 Jahren, die drei Wochen lang Seminare und Vorträge besuchen, gemeinsam an Projekten arbeiten und sich an verschiedenen Problemstellungen abarbeiten. „Und es soll keine Frage des Geldes sein, ob sie daran teilnehmen können.“ Etwa 50 Prozent der Stipendiaten kommen aus Österreich, der Rest aus dem Ausland – und der Anteil der Nichtösterreicher soll noch steigen. Weil ein internationales Publikum auch dazu beiträgt, den Horizont zu erweitern und Diskussionen weniger einengend und reduzierend geführt werden können.

Chinesen entdecken das Aufzeigen

Heuer hat man etwa einen Schwerpunkt auf China gesetzt und gemeinsam mit dem Österreichischen Austauschdienst 21 Stipendiaten von chinesischen Unis geholt. Eine spannende Erfahrung, sagt Jöchtl. In China sei es etwa nicht üblich, dass Zuhörer sich bei einem Vortrag einbringen und mit Handzeichen eine Frage ankündigen. Eine junge Stipendiatin, erzählt Jöchtl, habe sich zunächst gewundert, „doch dann hat sie es auch gemacht“. Ein solcher Austausch biete also die Möglichkeit, auch für sich selbst etwas herauszuholen. Das nächste Land, aus dem mehr Studenten geholt werden sollen, ist Indien.
Generell sieht die Geschäftsführerin einen großen Effekt in der Internationalisierung. Weil durch das persönliche Kennenlernen andere Bilder eines Landes entstehen. Bei den USA denke man derzeit etwa vor allem an Donald Trump – im Gespräch mit amerikanischen Stipendiaten kann man auch ganz andere Dinge über das Land erfahren. Und der Austausch verlaufe so mitunter auch zwischen Teilnehmern aus Nationen, die miteinander verfeindet sind.

Das Forum spricht aktiv Universitäten im Ausland an und sucht dort nach Partnern, mit denen man zusammenarbeiten kann. Kümmert sich auch um Formalitäten wie Visa für die Stipendiaten. „Da gibt es eine sehr gute Zusammenarbeit mit der österreichischen Botschaft. Die organisieren Schengen Visa für drei Wochen.“ Und die sogar kostenlos. Klar ist aber, dass mit mehr ausländischen Stipendiaten der Anteil der Österreicher sinken wird. Dafür sollen die Einheimischen bessere Konditionen bekommen, wenn sie das Forum als reguläre Teilnehmer besuchen. Wichtig ist Jöchtl, dass die jungen Menschen nicht als Urlauber betrachtet werden. Denn das Programm ist dicht, die drei Wochen sind anstrengend. „Und sie machen das alles, ohne dafür ECTS zu bekommen“, meint sie. „Insofern sind das Pioniere. Und man braucht solche Vordenker.“ Das mache auch für Unternehmen das Sponsoring des Programms interessant. Weil man sich dabei genau bei solchen Menschen positionieren könne.
Mit dem Ende des Forums kommt für Jöchtl und ihr Team nun eine kleine Atempause – ehe Mitte Februar wieder die Ausschreibung der Stipendien beginnt. Und erneut 700 junge Menschen die Chance bekommen, Stipendiaten beim Forum Alpbach zu werden.

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