Alpbach: Technologien mitgestalten statt sich treiben lassen

Das Jahrbuch zu den Alpbacher Technologiegesprächen 2018 stellt die künstliche Intelligenz in den Fokus. Während viele erst wenig mit dem Begriff anfangen können, fehlt Europa eine wettbewerbsfähige Infrastruktur.

Technologiegespräche in Alpbach.
Technologiegespräche in Alpbach.
Technologiegespräche in Alpbach. – (c) APA/ROBERT PARIGGER (ROBERT PARIGGER)

„Was verstehen Sie unter künstlicher Intelligenz (KI)?“, wurden 1000 Erwachsene in Deutschland gefragt. 58 Prozent gaben an, KI sei die Fähigkeit von Geräten und Software, logisch zu denken. 57 Prozent meinten, diese könnten lernen, 52 Prozent, diese könnten Probleme lösen. Diese Antworten zielen in die richtige Richtung. Mittels KI lernen Maschinen und Systeme, sich selbst zu verbessern und eigenständig zu handeln. In der Praxis bereits angekommen sind etwa die Spracherkennung des Handys oder individuelle Kaufvorschläge im Internet. Gefolgt von allerlei anderen Annahmen, fürchteten aber immerhin neun Prozent der Befragten, KI könne den menschlichen Geist kontrollieren; sieben Prozent meinten, sie könne die Weltherrschaft übernehmen.

Das Ergebnis dieser von der amerikanischen Softwarefirma Pegasystems durchgeführten Umfrage wird im Klappentext des Buchs von „Technologie im Gespräch“ vorgestellt. Damit weisen die Herausgeber des Jahrbuchs zu den Alpbacher Technologiegesprächen, das vergangenen Donnerstag, also genau eine Woche vor deren Eröffnung, vorgestellt wurde, gleich zu Beginn auf mit dem Begriff verbundene Unsicherheiten und Ängste hin.

Von solchen will man sich rund um das Forum Alpbach – und auch sonst – aber nicht leiten lassen. Die Bedeutung der KI werde zunehmen, man könne sich entweder treiben lassen oder sich aktiv positionieren, sagte Wolfgang Knoll, Mitherausgeber und Geschäftsführer des Austrian Institute of Technology (AIT) bei der Präsentation – das AIT organisiert die Technologiegespräche heuer zum 35. Mal. Bei diesen wolle man ausgewählte Themen ins Bewusstsein rücken, so Knoll. Das heuer zum zweiten Mal – in deutscher und englischer Sprache – präsentierte Jahrbuch, das an alle Teilnehmer ausgegeben wird, soll diese zusätzlich vertiefen.

Der Sammelband ist zugleich Erklärungsversuch, Diagnose des Status quo und Wagnis, Zukunftsperspektiven zu diesem komplexen Thema zu formulieren. Die Beiträge kommen von renommierten Wissenschaftlern wie Allan Hanbury, Stiftungsprofessor für Data Intelligence an der TU Wien, Wissenschaftsforscherin Helga Nowotny, Komplexitätsforscher Stefan Thurner und Manfred Tscheligi, der in Salzburg und Wien zu Schnittstellen zwischen Mensch und Maschine forscht. Die redaktionelle Leitung lag bei „Universum“-Chefredakteur und „Presse“-Autor Martin Kugler.

Wer kontrolliert die Daten?

In Europa gebe es momentan noch nicht die digitale Infrastruktur, um im Bereich KI mithalten zu können, sagte Innovationsforscherin Petra Schaper-Rinkel vom (AIT). Eine solche Infrastruktur würde „bestimmen, ob wir Daten kontrollieren oder ob wir kontrolliert werden“. Auch AIT-Vorstandsvorsitzender Hannes Androsch sieht KI als eines der Wettbewerbsfelder, in denen die USA gefolgt von China um die Vorherrschaft rittern – und Europa bereits weit zurückliege. Österreich brauche eine von Forschern entwickelte und von der Politik unterstützte KI-Strategie, mehrere Zentren sollten sich mit KI befassen. Androsch nützte die Gelegenheit, um einmal mehr auf Lücken im Bildungssystem und bei den internationalen unterdotierten Universitäten hinzuweisen: „Die Befürchtung, dass uns die Arbeit ausgeht, hat sich noch nicht manifestiert, aber es gehen uns die qualifizierten Arbeitskräfte aus.“ (gral)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.08.2018)

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