Wie leicht sich Islamisten nach Europa einschleichen

Der israelische Journalist Zvi Jecheskeli hat unter Lebensgefahr gezeigt, wie man zum "syrischen Flüchtling" werden und Zugang nach Deutschland erlangen kann. Und was die wachsende islamistische Gemeinde in Europa langfristig vorhaben könnte.

Der Zuzug nach Europa bringt auch Probleme und Gefahren mit sich (Bild von 2015 an der Grenze Österreich-Slowenien).
Der Zuzug nach Europa bringt auch Probleme und Gefahren mit sich (Bild von 2015 an der Grenze Österreich-Slowenien).
Der Zuzug nach Europa bringt auch Probleme und Gefahren mit sich (Bild von 2015 an der Grenze Österreich-Slowenien). – APA/ERWIN SCHERIAU

Ein Israeli mit einem perfekt gefälschten syrischen Pass; deutsche Sozialarbeiter, die beim Erlangen des Flüchtlingsstatus mehr als behilflich sind, ja Tipps geben, wie man die deutschen Behörden übers Ohr hauen kann; islamische Prediger, die die "gewaltlose Unterwanderung Europas" forcieren; muslimische Migranten, die von Anfang an keine Lust haben, sich zu "integrieren", wie man in Europa sagt und es zumindest gerne sehen würde: Das und anderes sind Elemente einer unerhörten Geschichte, die der bekannte israelische TV-Journalist Zvi Jecheskeli teils unter Einsatz seines Lebens für seine Serie über die arabische Welt, die seit Jahren vom israelischen Sender "Channel 10" ausgestrahlt wird, recherchiert hat. Und bei der in Europa die Alarmglocken schrillen müssen.

Jecheskeli (47) spricht als Kind mit irakisch-kurdischem Familienhintergrund  perfekt Arabisch und gilt in Israel als einer der hervorragendsten Kenner der islamisch-arabischen Kultur, ihrer Sitten und Gebräuche. Für seine Doku-Serie hat er unter anderem palästinensische Flüchtlingslager und Moscheen besucht, arabische Staaten bereist, Hamas-Kämpfer interviewt und sich in moslemischen Gemeinden in Europa umgehört. (Anmerkung angesichts einiger zweifelnder Postings: Die anglisierte Fassung seines Namens schreibt sich Zvi Yehezkeli, damit findet man ihn im Internet gar häufig; siehe auch das Video am Ende des Textes).

Schutz und Schirm des Mossad

Sein jüngster Streich, über den die Zeitung "Die Welt" nun aktuell berichtet, war allerdings eine Meisterleistung der bereits lebensgefährlichen Art: In Kooperation mit dem Geheimdienst Mossad verwandelte sich Jecheskeli in einen strenggläubigen Moslem, der je nach Situation wahlweise als palästinensischer Journalist oder jordanischer Geschäftsmann mit perfekt inszenierter Biografie auftrat, als syrischer Flüchtling getarnt nach Deutschland reiste und dort sowie in anderen Ländern unerkannt Gemeinden der islamistischen Muslimbruderschaft infiltrierte. Dabei war er freilich verkabelt, auch mit Mini-Kameras, und stand unter dem unsichtbarem Schutz und Schirm von Mossad-Leuten.

Zvi Jecheskeli als
Zvi Jecheskeli als
Zvi Jecheskeli als "Abu Hamsa" – Channel 10

Als Scheich Khaled Abu Salaam bzw. "Abu Hamsa", so berichtet die "Welt", nahm der Israeli zunächst Kontakt mit der syrischen Community in Istanbul auf, wo er über Vermittlung eines Handygeschäftsinhabers an einen syrischen Pass gelangte - übrigens nicht einmal für ihn selbst, sondern für einen imaginären Freund, der unbedingt nach Europa wolle. Der Pass kostete mäßige 1250 Dollar, wurde ihm in einem Café im Flüchtlingsviertel von Istanbul übergeben und war, wie er und die Leute vom Mossad später im Hotel herausfanden, "nicht gut gefälscht, sondern praktisch echt". Und für das Passbild, das seinen "Freund" zeigen sollte, musste sich Jecheskeli nur wenig verändern.

Wenn Beamte erklären, wie man Behörden überlistet

Wenige Tage später erschien er in einem Flüchtlings-Auffanglager in Berlin und traf dort just auf einen Beamten mit Wurzeln im Gazastreifen, der vor Jahrzehnten nach Deutschland gekommen war - und laut der Reportage sehr rasch mit dem Neuankömmling sympathisierte. Es habe nur Stunden gedauert, bis ihm der Beamte - ein Sozialarbeiter - vorläufige Aufenthaltspapiere samt solcher über Ansprüche auf Sozialleistungen gegeben habe. Dazu der Kommentar: "Mit Allahs Hilfe beginnst Du hier ein neues, islamisches Leben."

Der Beamte habe dem vermeintlichen Flüchtling auch allerhand "Ratschläge gegeben, wie er die Behörden überlisten kann", schreibt die "Welt". Doch dem nicht genug: Angesprochen auf die Frage, wie er, der mutmaßliche Syrer, Frau und Kinder nachholen könne, sagte der beamtete Flüchtlingshelfer, dass das vor Ablauf dreier Jahre rechtlich an sich unmöglich sei, aber: "Bring sie einfach doch jetzt übers Meer her.

"Ein gefälschter Pass reicht für eine ganze Sippe"

Dazu gab es Informationen über Zuwanderungsrouten und allerhand Tricks für die Zeit nach der Ankunft. Das mündet in dem schwerwiegenden Zitat des Journalisten: "Ein gefälschter Pass reicht für eine ganze Sippe aus."

Dann nahm Jecheskeli Kontakt zu Muslimbrüdern auf, unter dem Vorwand, er wolle Geld in das soziale Netzwerk der Islamisten investieren, das unter anderem Schulen, Moscheen, Ausspeisungen und Sportvereine in Europa betreibt. Von da her berichtet er, dass die meisten muslimischen Flüchtlinge keine Integrationslust hätten, sondern sich vielmehr als eine - auf lange Sicht - mehr als bloß mitbestimmende Gesellschaftsschicht in Europa sehen würden.

"Es gibt auch eine stille Eroberung"

"Langfristig wollen sie Deutschland verändern", sagt Jecheskeli, und zeigt auch eine Rede von Jussuf al-Karadawi, einem der einflussreichsten Prediger und Denker der Muslimbrüder, geboren 1926 in Ägypten, seit 1961 in Katar lebend. "Der Islam wird wieder Europa beherrschen müssen", sagt der Scheich darin, und das müsse nicht mit Gewalt passieren: "Es gibt auch eine stille Eroberung."

Jussuf al-Karadawi
Jussuf al-Karadawi
Jussuf al-Karadawi – Doha News

"Er spricht von der Unterwanderung von Kindergärten und Schulen", sagt Jecheskeli. Aber: "Niemand in Europa versteht, was der politische Islam für Europa bedeutet." Als Nichteuropäer wolle er daher von den Gefahren berichten, die der (radikale) Islam für Europa bedeute, und insofern tue er sich dabei leichter als viele Europäer: "Ich bin nicht an die Codes der politischen Korrektheit gebunden und kann offen die Wahrheit aussprechen", sagt Jecheskeli zur "Welt".

 

>>> Zvi Yehezkeli im Gespräch

 

>>> Teil 1 der Doku "Moslems in Europa" von Channel 10

(red.)

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