Österreicher leitet erstmals EU-Militärmission in Mali

Der Salzburger Brigadier Christian Habersatter führt für etwa sechs Monate rund 650 Soldaten aus insgesamt 26 Ländern.

Brigadier Christian Habersatter vor dem Emblem des Kommandos Schnelle Einsätze in Mautern (NÖ)
Brigadier Christian Habersatter vor dem Emblem des Kommandos Schnelle Einsätze in Mautern (NÖ)
Brigadier Christian Habersatter vor dem Emblem des Kommandos Schnelle Einsätze in Mautern (NÖ) – Bundesheer/Schön

Zum ersten Mal seit ihrem Bestehen übernimmt am Mittwochabend ein Österreicher das Kommando der EU-Trainingsmission für malische Streitkräfte (EUTM). Der Salzburger Brigadier Christian Habersatter folgt damit dem Deutschen Peter Mirow und führt für etwa sechs Monate rund 650 Soldaten aus insgesamt 26 Ländern. Das Bundesheer wird vorübergehend mit 47 Mann im Einsatz sein.

Die Aufgabe der Soldaten ist die Schulung und das Training ihrer malischen Kollegen, die Beratung des dortigen Verteidigungsministeriums bei der Neuaufstellung der Streitkräfte sowie die Ausbildung von Soldaten der sogenannten G-5-Sahel-Staaten (Mauretanien, Mali, Niger, Burkina Faso und Tschad). Die Beteiligung an Kampfeinsätzen sieht das Mandat nicht vor.

Islamisten wieder auf dem Vormarsch

Habersatter (*1970), Milak-Jahrgang 1992 „Novara", ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er hatte unter anderem Führungsfunktionen bei Bundesheereinsätzen in Bosnien und im Kosovo inne und war zuletzt Chef des Kommandos Schnelle Einsätze in Mautern (NÖ).

Die EU rief die EUTM mit Hauptquartier in Malis Hauptstadt Bamako im Jahr 2013 ins Leben. Der Einsatz erfolgte auf Einladung der malischen Behörden und steht im Einklang mit Resolution 2071 des UNO-Sicherheitsrates. Nach einem Militärputsch 2012 und dem Erstarken islamistischer Gruppen hätten Anfang 2013 nämlich islamistische Milizen aus dem Norden des Landes beinahe die Hauptstadt Bamako erobert, was aber durch eine schnelle Intervention von Truppen der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich sowie anderer Staaten, etwa des Tschad, verhindert wurde.

Bundesheer in Bamako, 2013 – Bundesheer/Gunter Pusch

Mittlerweile kontrollieren aber die mit Terrororganisationen wie al-Qaida oder "Islamischer Staat" (IS) verbundenen Islamisten wieder weite Landstriche Malis. Vor allem im wüstenhaften Norden hat die Regierung wenig Einfluss. Dort versucht die UNO-Mission MINUSMA mit rund 15.000 Militärs und Polizisten, darunter aktuell zwei Österreicher, für Stabilität zu sorgen.

Serie von Attentaten

Immer wieder kommt es zu tödlichen Attentaten auf UNO-Blauhelme. Mitte Februar griffen Unbekannte auch das EUTM-Feldlager in Koulikoro an, in dem sich Österreicher befanden. Die Soldaten blieben unverletzt.

Frieden und Stabilität in Mali zu erreichen, ist für Europa wichtig: Zum einen ist es nicht nur Transitland, sondern auch Herkunftsland für Migranten. Zum anderen könnten Islamisten bei einem Zerfall des Staates ihre Macht festigen - und das nur eine Landesgrenze vom Mittelmeer entfernt. Das mehr als 18-Millionen-Einwohnerland zählt zu den ärmsten Staaten der Welt.

Mit der Kommandoübernahme am Mittwochabend in Mali sind zwei von sechs EU-Missionen - das Bundesheer ist an vier davon beteiligt - unter Leitung eines Österreichers. Seit Jahren führt Österreich, aktuell durch Generalmajor Martin Dorfer, die EU-Truppe in Bosnien-Herzegowina (EUFOR) an.

(APA)

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