Chinas neuer „langer Arm der Lüfte"

Der Prototyp des ersten in China entwickelten Langstrecken-Großraumtransporters „Y-20" ist zu einem Testflug gestartet. China will Fähigkeit zu weltweiter Reaktion und Intervention ausbauen.

Chinas neuer langer Luefte
Chinas neuer langer Luefte
Y-20

In Yanliang (Provinz Shaanxi) hatte vor wenigen Tagen der Prototyp des ersten in China entwickelten strategischen Langstreckentransportflugzeuges seinen erfolgreichen Erstflug: Die Yunshu-20 des Herstellers „Xi'an Aircraft Company" (XAC) soll Chinas weltweite Reaktions- und Interventionsmöglichkeit massiv erweitern und ausbauen.

Der Erstflug des noch unlackierten Fliegers, der auch „Kunpeng" genannt wird (nach einem legendären Vogel der chinesischen Mythologie, der tausende Kilometer weit fliegt) dauerte eine Stunde und war laut Angaben der Testpiloten im Staatsfernsehen „exakt wie berechnet, eigentlich ereignislos". Die seit 2007 offenbar mit Unterstützung des ukrainischen Antonow-Büros entwickelte Y-20 soll eine maximale Nutzlast von etwa 60 Tonnen haben und vollbeladen etwa 4500 Kilometer weit fliegen können und ähnelt dem in vielen Ländern benutzten russischen Großraumtransporter Iljuschin-76, der ebenfalls für 50 bis 60 Tonnen Fracht ausgelegt ist. Man kann auch österreichisches Input vermuten, nämlich seitens des oberösterreichischen Verbundwerkstoffteile-Pioniers „FACC", der Zulieferer auch von Boeing und Airbus ist und seit 2009 zu 91,25 Prozent von XAC beherrscht wird.

Signifikante Details, etwa die genauen Innenmaße, sind noch nicht bekannt, der Kunpeng ist aber etwas kleiner als die C-17 „Globemaster" der USA (rund 77 Tonnen Nutzlast). Die äußere Länge des Schulterdeckers mit Hochauftriebs-Tragflächen dürfte etwa 45 Meter, die Spannweite 49 Meter betragen. Laut XAC beträgt das maximale Startgewicht rund 200 Tonnen.

Bedarf an schweren Militärtransportflugzeugen

Chinas Streitkräfte sind bereits heute weit weg vom Mutterland engagiert und die Ereignisse der letzten Jahre bestätigten, dass China schwere Militärtransportflugzeuge in großer Zahl braucht. Seine zwischen 20 und 30 Il-76-Militärmaschinen transportierten etwa anno 2008 Hilfsgüter in die vom Erdbeben betroffene Provinz Sichuan und evakuierten im Jahr 2011 chinesische Staatsbürger aus den Konfliktgebieten in Libyen und Kirgisien.Für Libyen reichte die Lufttransportkapazität allerdings nicht, für die damals mehr als 20.000 Chinesen dort mussten auch Schiffe aus China ins Mittelmeer beordert werden.

Die Volksrepublik ist aber wegen Öl und Rohstoffen auch stark in Ostafrika und Lateinamerika engagiert und im Sudan etwa geradezu omnipräsent. Bis Khartum sind es von Südchina aus etwa 5000 Kilometer. Beim Y-20-Projekt geht es also generell um den Ausbau des globalen Einflusses bei Militäreinsätzen, um Katastrophenunterstützung und humanitäre Hilfeleistungen in den genannten Teilen der Welt und darüber hinaus.

Was neue Innovationen betrifft, hat XAC zwar nun mit den anderen beiden chinesischen Luftfahrtriesen „Chengdu" und „Shenyang" gleichgezogen. Allerdings hat auch die Y-20 noch die (typisch chinesische) Achillesferse": Die praktische Serientauglichkeit der Triebwerke ist einfach zu mangelhaft. Auf Bildern ist zu erkennen, dass es sich beim Antrieb des Kunpeng zurzeit um vier Turbofan-Triebwerke vom Typ D-30KP2 aus russischer Produktion handelt, mit diesen lauten und durstigen Motoren wird ein Nutzlast/Reichweitenverhältnis wie etwa bei der C-17 oder dem europäischen Transporter A400M nicht möglich sein. Allerdings haben die Chinesen schon einige gute Flugzeugdesigns hingekriegt, die nur noch auf handfeste Fortschritte der chinesischen Metallurgie und Fertigungsgenauigkeit warten.

Redigiert von Wolfgang Greber

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