Hisbollah unterstützt Assad bedingungslos

Der Chef der libanesischen Hisbollah-Miliz beschwört den Sieg seiner Kämpfer an der Seite von Syriens Staatschef al-Assad.

Kämpfer der Hisbollah in der südlibanesischen Stadt Qana
Kämpfer der Hisbollah in der südlibanesischen Stadt Qana
Kämpfer der Hisbollah in der südlibanesischen Stadt Qana – EPA

Die schiitische Hisbollah-Miliz hat sich im syrischen Bürgerkrieg auf Gedeih und Verderb hinter den bedrängten syrischen Präsidenten Bashar al-Assad gestellt. Mit einer Niederlage Assads verlöre die Hisbollah einen ihrer wichtigsten Unterstützer. Kann sich der Machthaber dagegen mit ihrer Hilfe behaupten, hätte die Hisbollah ihren Einfluss über die Grenzen des Libanon ausgedehnt.

Fast 1700 Kämpfer hat die Hisbollah Schätzungen zufolge bei der vor einer Woche gestarteten Offensive der syrischen Armee gegen die sunnitische Rebellenhochburg Kusseir im Einsatz. Allein am Samstag wurden dort nach Angaben von Aktivisten mehr zwanzig Hisbollah-Kämpfer getötet. Der Sturm auf Kusseir zwang Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah zu einer argumentativen Kursänderung in der öffentlichen Darstellung des Engagements seiner Miliz im Nachbarland. Hatte er den Einsatz bisher mit dem Schutzbedürfnis schiitischer Dörfer und Heiligtümer begründet, galt es nun eine Offensive zu verkaufen.

"Syrien ist die Schutzmacht hinter dem Widerstand (gegen Israel), die Stütze des Widerstands", sagte Nasrallah nun also am Samstag. "Der Widerstand kann nicht tatenlos zusehen, wenn seine Schutzmacht ungeschützt ist und ihre Stütze zerbröckelt."

Nach Ansicht von Waddah Sharara, Professor für Soziologie in Beirut, führt die Miliz in Syrien einen Überlebenskampf. "Der Machtverlust des Assad-Clans hätte tödliche Auswirkungen auf die Hisbollah, nicht nur hinsichtlich ihrer Waffenversorgung, der Rekrutierung von Kämpfern und dem Eintreiben von Geldern, sondern auch auf politischem Feld, denn sie hängt völlig von der syrischen Unterstützung ab", sagt Sharara.

Auch Iran muss um Macht fürchten

Auch für den Iran, den zweiten regionalen Förderer der Miliz, steht in Syrien der Verlust von Macht und Ansehen auf dem Spiel. Über die Hisbollah führt Teheran einen Stellvertreterkrieg in dem Konflikt. Der Einsatz der Hisbollah in Syrien gehe auf die "iranische Entscheidung zurück, das Regime (Assads) bis zum Ende zu unterstützen", sagt Ziad Majed, Nahostexperte an der Amerikanischen Universität in Paris.

Die Hisbollah sehe in dieser Konstellation die Gelegenheit, sich als "unverzichtbarer Akteur in der Region und nicht nur im Libanon" zu profilieren, sagt Majed. Sie wolle zeigen, dass sie "in der Lage ist, in entscheidendem Maße in Operationen außerhalb des Landes einzugreifen". Ähnlich sieht es Sharara: Syrien biete der Hisbollah auch die Möglichkeit, ihre "Machtstellung zu festigen".

Dem Politikwissenschaftler Ghassan al-Assi von der Libanesischen Universität in Beirut zufolge geht es aus der Sicht Teherans auf dem Schlachtfeld Syrien letztendlich um die "Zukunft der Allianz zwischen dem Iran und Syrien und vielleicht um die Zukunft der ganzen Region". Daher habe die iranische Führung von der Hisbollah ein klares Bekenntnis und ein Engagement in dem Konflikt verlangt.

Doch der Preis dafür dürfte hoch sein. Die Experten sind sich darin einig, dass der Einsatz der Schiitenmiliz die Gräben mit den Sunniten vertiefen dürfte. Die Hisbollah habe nicht nur in der arabischen Welt, sondern auch im Libanon bereits "viel von ihrem Ruf verspielt", sagt al-Assi. Die Zeiten, in denen Nasrallah wegen des Widerstands gegen Israel in Umfragen als populärster arabischer Politiker geführt worden sei, seien definitiv vorbei.

(APA/AFP)

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