Albtraum der USA: Hat Snowden weitere Informationen?

Der Computerspezialist soll noch weiteres, den amerikanischen Abhördienst belastendes Material haben, berichtet ein Vertrauter. Verteilt und gut versteckt. Bluff oder nur eine Schutzmaßnahme für den Gejagten?

NSAAffaere Albtraum geht weiter
NSAAffaere Albtraum geht weiter
Greenwald – (c) REUTERS (SERGIO MORAES)

Buenos aires/Wien/Ag./Red. Hat der zwangsweise auf dem Moskauer Flughafen sitzende Computerspezialist Edward Snowden möglicherweise weiteres Material in der Hand, das den amerikanischen Abhördienst NSA noch mehr belasten und die Peinlichkeiten rund um dessen weltweite Schnüffelaktionen sogar noch vergrößern könnte?

Der britische Journalist Glenn Greenwald, der in seiner Zeitung „Guardian“ als Erster über die Enthüllungen Snowdens – so über das NSA-Programm Prism zur Überwachung der Internetkommunikation – berichtet hat, deutet Entsprechendes an. In einem am Wochenende mit der argentinischen Zeitung „La Nación“ veröffentlichten Interview erklärte Greenwald wörtlich: „Snowden hat ausreichend Informationen, um in einer Minute mehr Schaden anzurichten, als irgendjemand sonst das je in der Geschichte der USA getan hat.“ Dieses ganze Material könne noch zum „Albtraum der USA“ werden.

Und Greenwald weiter: „Die US-Regierung sollte sich jeden Tag hinknien und flehen, dass Snowden nichts passiert. Denn wenn ihm etwas zustoßen sollte, würden sämtliche Informationen, die er gesammelt hat, enthüllt werden.“ Zu seinem Schutz habe Snowden diese Daten und Informationen bereits an diversen Orten deponiert. Der US-Fernsehsender CNN meldete, die amerikanischen Geheimdienste seien fest entschlossen, Snowden in die USA zurückzuholen.

 

Snowden: „Bin ein Patriot“

Zugleich unterstrich Greenwald, dass Snowden „nicht die Absicht hat, den USA zu schaden“. Der Computerspezialist hatte bereits vergangenen Freitag russischen Menschenrechtsaktivisten gegenüber erklärt, er sei ein amerikanischer Patriot und wolle seinem Land keinen Schaden zufügen.

Ob die Aussagen des britischen Journalisten über mögliche weitere Enthüllungsbomben gewissermaßen als Schutzmantel für Snowden gedacht sind, um die Begierden der US-Behörden, seiner habhaft zu werden, zu zügeln, ist Gegenstand von Spekulationen. Tatsache ist, dass es die bisher von Snowden weitergegebenen Informationen in sich hatten und dass sie für weltweite Empörung über das amerikanische Lauschmonster NSA führten.

 

Washington rügt Russland

Dass Snowden sich in Moskau befindet, führt unterdessen auch dazu, das ohnehin nicht sehr gute Verhältnis zwischen den USA und Russland noch weiter zu verschlechtern. US-Präsident Barack Obama hat am Wochenende mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin telefoniert. Die Drohung Washingtons steht im Raum, dass Obama dem G20-Gipfel im September in St. Petersburg fernbleiben könnte, sollte sich Snowden dann immer noch auf russischem Boden aufhalten.

Der US-Regierungssprecher Jay Carney warnte Russland, Snowden ja kein politisches Asyl anzubieten: „Politisches Asyl wäre unvereinbar mit der russischen Versicherung, keine Verschlechterung der bilateralen Beziehungen durch den Fall Snowden zuzulassen.“ Carney kritisierte auch, dass Russland Snowden eine Propagandaplattform biete.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow wiegelte am Wochenende ab – es gebe keinen Asylantrag von Snowden. Die Forderung der USA, Snowden auszuliefern, lehnt Moskau mit dem Argument ab, den Computerspezialisten erwarte in seiner früheren Heimat die Todesstrafe. Zudem hätten die beiden Länder kein Auslieferungsabkommen.

Snowden drohe in einem Gerichtsverfahren in den USA nicht die Todesstrafe, berichtete hingegen die „New York Times“. Eine Sprecherin des US-Außenamtes wurde dort zitiert, wonach Snowden im Fall der Rückkehr in die Vereinigten Staaten mit einem fairen Verfahren rechnen könne.

Auf einen Blick

Die Affäre Edward Snowden zieht immer weitere Kreise. Seit Snowden am Freitag russische Menschenrechtsaktivisten getroffen hat, erhöht Washington den Druck auf Russland, den Computerspezialisten auszuliefern. Moskau verweigert das bisher. Am Wochenende behauptete ein Snowden-Vertrauter, dieser habe weitere Informationen über die Aktivitäten des USA-Abhördienstes NSA, die zum „Alptraum für die USA“ werden könnten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.07.2013)

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