US-Sanktionen: Iranische Geldwäsche in Manhattan

Seit den 1970er-Jahren besitzt der Iran einen Wolkenkratzer in bester New Yorker Lage. Er wird nun gepfändet.

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US-Sanktionen: Iranische Geldwäsche in Manhattan – (c) Bilderbox/Erwin Wodicka

Washington. Es gibt schlechtere Adressen in Manhattan als jene an der Nummer 650 Fifth Avenue: Zu U-Bahn-Stationen und der Grand-Central-Station ist es nur ein Katzensprung. Wer seine Mittagspause im Central Park verbringen will, kann dort in zehn Minuten hinspazieren. Fürs Shoppen nach Büroschluss bietet sich schräg gegenüber Saks Fifth Avenue an. Der Versicherungskonzern Metlife, die Citibank und zahlreiche andere renommierte Mieter aus der Finanzwelt haben hier ganze Stockwerke gemietet. Der Mehrheitseigentümer des 36-stöckigen Wolkenkratzers, die Alavi-Stiftung, hat sich laut eigenen Worten der „Förderung wohltätiger Anliegen im Zusammenhang mit religiöser Harmonie, Bildung, internationaler Katastrophenhilfe und persischer Sprache und Kultur verschrieben“ – übrigens „in Zusammenarbeit mit der US-Regierung“, wie auf der Homepage der „650 Fifth Avenue Company“ zu lesen steht.

Zumindest die „Zusammenarbeit mit der US-Regierung“ dürfte nicht ganz der Wahrheit entsprechen. Denn nach fünf Jahren zäher Gerichtsverhandlungen hat das US-Justizministerium am Montag mit seinem Begehr recht bekommen, den Büroturm zu pfänden. Die Alavi-Stiftung hat ihn gemeinsam mit einem Unternehmen namens Assa Company laut Gerichtsurteil jahrelang verwendet, um Geld zu waschen und Millionenbeträge über das Steuerparadies Jersey in den Iran zu überweisen. Von 1999 bis 2007 sind rund 38,9 Millionen Dollar (29,1 Millionen Euro) Erträge aus der Vermietung des Manhattaner Wolkenkratzers an die iranische Regierung geflossen, befand die New Yorker Richterin Katherine B. Forrest in ihrem 83-seitigen Urteil vom 16. September. „Assa war (und ist) eine Scheinfirma für die Bank Melli, und damit eine Scheinfirma für die Regierung des Iran“, hält Richterin Forrest fest. Die Bank Melli steht im Eigentum des iranischen Staates, ihre bekannten US-Vermögen sind seit der Stürmung der US-Botschaft in Teheran im Jahr 1979 eingefroren. Der Trick mit zwei Assa-Scheinfirmen in den USA und auf Jersey ist damit 18 Jahre nach ihrer Gründung aufgeflogen; das Justizministerium kündigte an, rasch mit der Pfändung des Gebäudes zu beginnen.

Das Erbe des Schahs

Die Geschichte dieses Büroturms und der Alavi-Stiftung reicht in die Zeit vor der islamischen Revolution zurück. Reza Pahlevi, der Schah von Persien, gründete am 5. Dezember 1973 eine gemeinnützige Stiftung in den USA, um, dem offiziellen Stiftungszweck nach, iranischen Austauschstudenten in den USA mit Stipendien zu helfen. In Wahrheit war die „Pahlevi Foundation of New York“ eine Scheinkonstruktion, mit der der Schah und seine Gefolgsleute iranisches Volksvermögen steuerfrei aus dem Land schafften. Beim Durchboxen dieser Stiftung stand ihm übrigens William P. Rogers bei, der frühere US-Außenminister unter Präsident Richard Nixon.

Hilfe von Bushs Justizminister

„Es bleibt abzuwarten, welche Bildungsprogramme diese undurchsichtige Organisation einrichten wird“, argwöhnte die „New York Times“ 1976. Nach der Ausrufung der Islamischen Republik am 1. April 1979 änderten sich Stiftungsvorstand und Name; nach „Pahlevi“ hieß sie zuerst „Mostazafan“ (wie die gleichnamige Stiftung im Iran, die ein Vermögen von rund drei Milliarden Dollar halten soll). Im November 2009 – da tobte der Gerichtsstreit bereits – änderte man den Namen auf „Alavi“. Eine Entscheidung, die von einem weiteren früheren hohen Vertreter der US-Regierung empfohlen worden sein könnte: Michael Mukasey, Justizminister unter George W. Bush, vertrat die iranische Stiftung im Streit mit der Regierung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.09.2013)

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