Der Öldeal der irakischen Kurden mit Erdoğan

Zum Ärger der Regierung in Bagdad will Nordiraks autonome Kurdenregion in Zukunft Erdöl direkt in die Türkei exportieren. Für Ankara und die Kurdenregion geht es um lukrative Geschäfte und strategische Überlegungen.

Oel Iran - Türkei
Oel Iran - Türkei
Taner Yildiz – (c) EPA (KAMAL AKRAYI)

Der türkische Energieminister, Taner Yildiz, übte sich in Optimismus: Man werde die Unstimmigkeiten mit Iraks Regierung schon bald ausräumen, sagte er am Dienstag. Zuvor hat Yildiz bei einem Besuch in Bagdad versucht zu kalmieren. Iraks Regierung fühlt sich übergangen – in einem Machtkampf, in dem es um nicht weniger geht als um den Erdgas- und Erdölreichtum der Autonomen Kurdenregion im Nordirak.

Erst vor wenigen Tagen haben die türkische Regierung und die Regierung der autonomen Kurdenregion einen viele Milliarden Dollar schweren Vertrag abgeschlossen: Die vom türkischen Staat unterstützte „Turkish Energy Company“ TEC wird in 13 Fördergebieten im Nordirak aktiv. Und eine neue Pipeline wird aus den Ölfeldern des Kurdengebiets Erdöl direkt in die Türkei transportieren (siehe Grafik). Die Pipeline mündet in die bestehende Pipeline aus dem Irak nach Ceyhan am Mittelmeer und soll kommendes Jahr in Betrieb gehen. Damit kann die Kurdenregion ihr Öl – de facto ohne Kontrolle der irakischen Zentralregierung – exportieren.

Oel Iran - Türkei – (C) DiePresse

Das stößt aber in Bagdad auf Unmut. In der Hauptstadt beharrt man darauf, dass der Erdöl- und Erdgasexport Angelegenheit des Gesamtstaates sei. Die Regierung der Kurdenregion pocht hingegen darauf, direkt Ölgeschäfte mit dem Ausland abwickeln zu dürfen.

Nach dem Sturz des irakischen Diktators Saddam Hussein durch die USA 2003 erhielten die Kurdengebiete in der neuen irakischen Verfassung den Status einer autonomen Region. Sie hat einen eigenen Präsidenten, eine eigene Regierung und schwer bewaffnete Sicherheitskräfte. Iraker, die aus dem Rest des Landes in die Kurdenregion reisen, müssen sich peniblen Kontrollen unterziehen.

Im Vergleich zu den anderen Teilen des Irak ist in den Kurdengebieten die Sicherheitslage gut, die Wirtschaft boomt. Und zuletzt dachte man in Erbil, der Hauptstadt der Kurdenregion, immer lauter über eine völlige Abspaltung vom Rest des Landes nach. Aus Sicht Bagdads ist die Autonomie der Kurden über ihre Ölexporte ein weiterer Schritt auf diesem Weg.

In der Türkei hat man die Eigenständigkeit der Kurden im Nordirak ursprünglich mit Argwohn betrachtet. Ankara hat der großen kurdischen Volksgruppe im eigenen Land jahrzehntelang das Recht auf eine eigene kurdische Identität verwehrt. Die kurdische Untergrundorganisation PKK lieferte dem türkischen Staat einen blutigen Kampf mit 40.000 Toten.

Mittlerweile ist der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan aber der engste Verbündete der kurdischen Regionalregierung im Nordirak und ihres Präsidenten Massud Barzani. Türkische Firmen machen in der Kurdenregion hervorragende Geschäfte – und nun auch verstärkt im Ölbusiness.

 

Friedensprozess mit der PKK

Mitte November ist Erdoğan mit seinem Gast Barzani in der Kurdenhochburg Diyarbakir im Osten der Türkei aufgetreten. Der türkische Premier hofft, über Barzani Einfluss auf die Kurden in der Türkei nehmen zu können. Barzani versucht auch im Friedensprozess zwischen dem türkischen Staat und der PKK zu vermitteln, der vor wenigen Monaten gestartet worden und mittlerweile wieder ins Stocken geraten ist. Ein Ende des Konfliktes würde auch ein sicheres Umfeld für den Ölexport schaffen – und das wäre für Ankara und Erbil von Vorteil.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.12.2013)

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