Syrische Armee setzt angeblich "Fassbomben" ein

Dutzende Menschen sollen bei Angriffen mit Sprengstoff gefüllten Fässern getötet worden sein, sagt die oppositonsnahe syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

(c) Reuters (Hosam Katan)

Bei Luftangriffen auf von Rebellen kontrollierte Viertel in der nordsyrischen Stadt Aleppo sind am Sonntag dutzende Menschen getötet worden. Laut Syrischer Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden in drei Stadtteilen insgesamt 44 Menschen getötet, darunter sechs Kinder. Nach Angaben des oppositionellen Pressezentrums in Aleppo setzte die Luftwaffe mit Sprengstoff gefüllte Fässer ein.

Die oppositionsnahe Beobachtungsstelle, die ihre Angaben auf Informationen von Aktivisten, Oppositionellen und Mitarbeitern von Rettungskräften stützt, hatte zunächst von 25 Toten im Viertel Hanano gesprochen. Später hieß es, in Hanano sowie den Vierteln Ahmadijeh und Haidarijeh seien mindestens 44 Menschen ums Leben gekommen. Die Zahl werde vermutlich steigen, da viele Menschen lebensgefährlich verletzt seien oder vermisst würden.

"Fassbomben" eine recht neues Kriegsmittel

Der Einsatz der "Fassbomben" - die Behälter werden mit Sprengstoff und Metallteilen gefüllt - durch Präsident Bashar al-Assads Militär ist eine relativ neue Erscheinung. Die improvisierte Waffe verursacht wegen ihrer enormen Streuwirkung hohe Verluste unter der Zivilbevölkerung, wenn sie in bewohnten Gebieten oder auf Plätzen oder Kreuzungen zum Einsatz kommt.

Die einst blühende Wirtschaftsmetropole Aleppo wurde durch den Bürgerkrieg bereits schwer zerstört. Seit Sommer 2012 ist die Stadt zwischen Regierung und Rebellen geteilt. Vor einer Woche startete die Armee Angriffe auf Rebellenviertel, seither wurden Hunderte Menschen getötet. Die Krankenhäuser seien "voll von Verletzten", teilte das Aleppo Media Centre, ein Netzwerk von Bürgerjournalisten, mit.

Auch Kinder unter den Opfern?

Auch aus anderen Orten in der Provinz Aleppo wurden Luftangriffe gemeldet. Aktivisten der Generalkommission der syrischen Revolution berichteten von "Panik und Massenflucht". Unter den Opfern seien auch Rettungskräfte, die während der Versorgung von Verwundeten getötet wurden. Bei einem Bombenanschlag in einem schiitischen Dorf in der zentralen Provinz Homs wurden laut staatlichen Medien acht Menschen getötet, darunter sechs Schulkinder. Die Beobachtungsstelle gab die Zahl der Toten mit mindestens zwölf an.

Nach Angaben des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) wurden durch die Kämpfe in Syrien seit dem Beginn des Konflikts im März 2011 mindestens eine halbe Million Menschen verletzt. Millionen Syrer seien auf der Flucht und Zehntausende ihrer Freiheiten beraubt, sagte der IKRK-Delegationschef in Syrien, Maghe Barth.

(APA/dpa/AFP)

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