Olympische Spiele: Die "Korrumpiade" von Sotschi

TV-Doku entlarvt die Olympischen Winterspiele. Auch österreichische Firmen kommen dabei nicht gut weg. Der Film läuft im ORF am 2. Februar.

REUTERS

Ein Kurort, der im Namen der olympischen Ringe völlig auf den Kopf gestellt wird; zigtausende Menschen, die im Namen der Winterspiele enteignet werden; unzählige Milliarden, die rund um Sotschi im wahrsten Sinn des Wortes versumpfen: Alexander Gentelevs Dokumentarfilm "Putins Spiele" lässt Befürworter und Gegner des Prestigeprojekts zu Wort kommen - und er wirft ein Schlaglicht auf die "Korrumpiade".

37 Milliarden Euro wurden bisher in Sotschi investiert, bestätigte kürzlich der russische Botschafter in Wien, Sergej Netschajew, die in der Doku von Oppositionspolitikern kolportierten Zahlen. Zum Vergleich: Die Olympischen Spiele von Vancouver, Salt Lake City und Turin zusammen hatten zusammen rund 5,5 Milliarden Euro gekostet, heißt es in dem Film, der am 28. Jänner auf ARTE und am 2. Februar in ORF und MDR ausgestrahlt wird.

"Lukrative" Aufträge für Strabag

Dass von der umstrittenen Auftragsvergabe auch zahlreiche österreichische Firmen profitierten, wird bei der Ausstrahlung möglicherweise für zusätzliche Brisanz sorgen. Schon bei der unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen abgehaltenen Vorführung der Doku beim Filmfestival von Moskau stieß es laut Medienberichten vielen auf, dass Strabag, Doppelmayr und Co. die umstrittene Menschenrechtslage scheinbar ohne Bedenken in Kauf nahmen.

Stattdessen geben die beiden Firmenchefs Hans Peter Haselsteiner und Michael Doppelmayr unumwunden zu, dass sie sich zwar aus patriotischen Gründen eine Olympia-Vergabe an Salzburg gewünscht hätten, dass Sotschi aber bei weitem lukrativer sei. Und Karl Schranz geht in der Doku als persönlicher Berater von Präsident Wladimir Putin sowieso davon aus, dass sich in der Stadt an der Schwarzmeerküste "etwas Großes abspielen" wird.

Müllhalden und Zwangsenteignungen

Gentelevs Doku wurde von der Wiener Satel Film koproduziert, und trotz ausgewogener Gesprächspartner sprechen allein die Bilder eine deutliche Sprache: Die Baustellen sind wie Militärbasen abgesichert, von der subtropischen Natur ist nicht viel übrig, stattdessen prägen Müllhalden und überdimensionierte Wolkenkratzer die neue Skyline. Wo Stalin einst mit seinen Flughafenplänen an der Sumpflandschaft scheiterte, lässt Putin heute ein Scheitern schlicht nicht zu.

Eine große Hilfe für dieses Nicht-Scheitern ist das eigens erlassene Gesetz 310, das die sofortige Beanspruchung oder Enteignung eines Grundstücks ermöglicht, sollte dieses für die Olympischen Spiele benötigt werden. "Zehntausende sind da unter die Räder gekommen", heißt es einmal, während die Kamera durch Baracken streift, die als Ersatz zur Verfügung gestellt wurden. Für viele Kritiker haben die Geschehnisse um Sotschi die olympische Idee völlig pervertiert.

 

(APA)

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