Der Oligarch in der Justizanstalt Josefstadt

Der Milliardär Dmitro Firtasch, einst Vertrauter Janukowitschs und zuletzt Gönner Klitschkos, wurde auf offener Straße in Wien verhaftet. Den Haftantrag hatte ein US-Gericht gestellt, allerdings schon im Vorjahr.

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Wien. Dmitro Firtasch gilt als einer der mächtigsten und reichsten Ukrainer. Seit Mittwochabend sitzt er in der Justizanstalt Josefstadt ein. Der Zeitpunkt seiner Verhaftung überrascht. Denn der Investor hat zum richtigen Zeitpunkt die Seiten gewechselt, den beliebten TV-Sender Inter erworben und über seine Drähte zu Abgeordneten der Partei der Regionen, gemeinsam mit dem Milliardär Rinat Achmetow, zum Sturz von Präsident Viktor Janukowitsch, seinem einstigen Vertrauten, beigetragen. Firtasch findet sich deshalb auch nicht auf der EU-Sanktionsliste.

Zum Verhängnis wurde dem Oligarchen nun ein anderes, ein älteres Verfahren. Seit 2006 ermittelt die US-Bundespolizei FBI gegen den Mann mit dem gepflegten grauen Bart. Im Vorjahr erließ ein US-Bundesbezirksgericht einen Haftbefehl wegen Verdachts auf Bestechung und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung. Österreichs Behörden reagierten nun auf ein Rechtshilfeansuchen aus den USA. In den vergangenen Märztagen ordnete die Staatsanwaltschaft Wien die Festnahme Firtaschs an. Mittwochabend klickten auf offener Straße in der Schwindgasse im vierten Wiener Gemeindebezirk die Handschellen. Dort ist der 48-jährige Magnat aus der Zentralukraine auch gemeldet, dort hat die Group DF ihren Sitz. Der Mischkonzern (Gas, Immobilien, Titan, Dünger) trägt die Initialen des Gründers im Namen.

Geld und Macht: Die ukrainischen Oligarchen

Reich geworden ist Firtasch mit Tausch- und später Gasgeschäften. Sein Stern ging in den Nullerjahren auf, als Zwischenhändler bei russisch-turkmenischen Gaslieferungen in die Ukraine. Eural TG hieß damals seine Firma, die jedoch 2004 liquidiert werden sollte. Er behielt das lukrative Geschäftsmodell bei und katapultierte sich nur ein Jahr später mit RosUkrEnergo (RUE) in die erste Liga der ukrainischen Oligarchen. Das Unternehmen kontrollierte praktisch den Gashandel in die Ukraine. Firtasch hielt 45 Prozent an der in Zug (Schweiz) ansässigen Gashandelsfirma, fünf Prozent ein Geschäftspartner namens Iwan Fursin und 50Prozent der russische Konzern Gazprom. 2007 tauchte Firtaschs Name auf, nachdem er zuvor hinter der Treuhandschaft der Raiffeisen Invest AG verhüllt geblieben war. Der Wink kam von den USA. Später wurde Firtasch Thema im Banken-Untersuchungsausschuss in Wien.

Eine verbissene Konkurrentin Firtaschs, sowohl geschäftlich als auch politisch, war stets Ex-Premierministerin Julia Timoschenko. Sie warf ihm auch vor, bei RUE Strohmann und Partner von Mafiaboss Semjon Mogilewitsch zu sein, der, unter anderem wegen Geldwäsche in großem Stil, auf der FBI-Liste der zehn meistgesuchten Flüchtigen der Welt steht. Hängt Firtaschs Verhaftung damit zusammen? Die österreichischen Behörden schwiegen. Bis Freitagnacht soll das Wiener Landesgericht für Strafsachen klären, ob es den Oligarchen an die USA ausliefert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.03.2014)

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