Kiews Opposition pilgert nach Wien zu Firtasch

Der ukrainische Oligarch, frei gegen eine 125-Millionen-Euro-Kaution, empfing in Wien neben Klitschko und Poroschenko auch Ex-Präsident Krawtschuk.

Firtash, one of Ukraine's richest men, is seen in Kiev
Firtash, one of Ukraine's richest men, is seen in Kiev
Oligarch Firtasch – REUTERS

Wien. Dimitri Firtasch hält Hof in Wien. Unlängst tauchten bei dem Oligarchen, der gegen eine Kaution von 120 Millionen Euro auf freiem Fuß ist, nicht nur die Oppositionsführer Vitali Klitschko und Petro Poroschenko auf, wie schon die Zeitung „Österreich" berichtet hat. Auch der ukrainische Ex-Präsident Leonid Krawtschuk stattete dem Milliardär einen Besuch in Österreich ab. Das bestätigten Behörden gegenüber der „Presse".

Die Wiener Polizei hatte Firtasch am 12. März auf Ersuchen der US-Justiz festgenommen. Ein Gericht in Chicago hat den ukrainischen Geschäftsmann im Juni 2013 wegen Korruptionsverdachts angeklagt. Der Fall reicht ins Jahr 2006 zurück und spielt in Indien. Firtasch und fünf andere Personen werden beschuldigt, indische Beamte mit mindestens 18,5 Millionen Dollar bestochen zu haben, um Lizenzen für den Abbau von Titan zu erhalten. In der Anklage wird Firtasch nicht nur eine jahrzehntelange Haftstrafe, sondern auch die Beschlagnahmung seines gesamten Vermögens angedroht.

Im Umfeld Firtaschs vermutet man einen politischen Hintergrund: Die Amerikaner hätten demnach die Absicht, sich das Gasgeschäft in der Ukraine unter den Nagel reißen und sich das dortige Geschäft mit den Russen teilen zu wollen.

Reich wurde Firtasch als Zwischenhändler bei Gasgeschäften mit Russland. Er hatte exzellente Kontakte zu Moskau und zum ukrainischen Ex-Präsidenten Viktor Janukowitsch. Doch in den Wochen vor dessen Sturz wechselte Firtasch die Seiten und unterstützte Klitschko. Der Ex-Boxer wiederum ließ für die Präsidentenwahl im Mai „Schokoladekönig" Petro Poroschenko den Vortritt. So wollen sie die ehemalige Premierministerin und „Gasprinzessin" Julia Timoschenko schlagen, eine Erzfeindin Firtaschs.

Klitschko und Poroschenko legten übrigens auch einen Zwischenstopp in Tirol ein. Sie schauten im Boxtrainingslager von Wladimir Klitschko, dem Bruder des Oppositionellen, am Wilden Kaiser vorbei.

(cu)

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