"Tschetschenische Kriminelle" als Mörder von Anna Politkowskaja

Der russische General-Staatsanwalt erklärt den Mord an der Enthüllungsjournalisten für gelöst. In "naher Zukunft" sollen die Mörder der russischen Journalistin angeklagt werden.

(c) EPA (Anatoly Maltsev)

Die russischen Behörden haben im Rahmen ihrer Ermittlungen zur Ermordung der Journalistin Anna Politkowskaja zehn Männer festgenommen. Hinter dem Mord stehe der Anführer einer tschetschenischen Gruppierung, die sich in Moskau auf kriminelle Geschäfte und Auftragsmorde spezialisiert habe. Das erklärte der russische Generalstaatsanwalt Juri Chaika am Montagnachmittag.

Mitarbeiter des Innenministeriums betroffen

Unter den zehn Verdächtigen sollen auch Mitarbeiter des Inlandsgeheimdienstes FSB und des Innenministeriums sein. Diese hätten die AUftragsmörder mit Informationen über das Opfer versorgt.

Diese sollen in Bälde angeklagt werden, berichtete die russische Nachrichtenagentur Itar-Tass am Montag. Die Agentur zitierte den russischen Generalstaatsanwalt mit den Worten: "Zehn Menschen wurden in Verbindung mit diesem Fall festgenommen und werden in naher Zukunft wegen dieses schweren Verbrechens angeklagt werden."

Mit 48 Jahren ermordet

Die Kreml-kritische Journalistin Anna Politkowskaja war im vergangenen Oktober im Alter von 48 Jahren in ihrem Appartement in Moskau erschossen worden. Ihre Ermordung zog eine internationale Welle der Entrüstung nach sich und entflammte eine Debatte über die Pressefreiheit in Russland. Auch Präsident Wladimir Putin wurde verdächtigt, hinter der Ermordung Politkowskajas zu stecken. Als Reaktion kündigte er an, alles menschenmögliche zu tun, um ihre Mörder zu finden und zu bestrafen.

Die Journalistin hatte mehrfach über die Lage in der russischen Kaukasusrepublik Tschetschenien geschrieben und den Sicherheitskräften in der Region Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen. Ihre Ermordung steht nach Einschätzung von Beobachtern in engem Zusammenhang mit ihrer Arbeit.

Heftige Kritik an "KGB-Schnüffler" Putin

Politkowskaja hatte in der regierungskritischen Zeitung "Nowaja Gaseta" vor allem über Menschenrechtsverletzungen aus der Teilrepublik Tschetschenien berichtet, und Präsident Putin deswegen öffentlich kritisiert. Sie bezichtigte ihn des "Staatsterrorismus" und beschimpfte ihn wegen seiner Agentenkarriere als "KGB-Schnüffler". Seinen Geheimdiensten warf sie "Menschenraub", Folter und Mord in Tschetschenien vor. (Ag./Red.)

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