„Zar Lazar-Garde“: Viel Lärm um eine Veteranen-Truppe

Serbien. Ein Haufen Aktivisten nutzt den Kosovo-Konflikt zur Selbstinszenierung.

AP

Belgrad. Der Mann hat eine Garde – und eine Mission. „Wir werden heiliges serbisches Land niemals aufgeben,“ kündigt Zeljko VasiljeviZ seinen entschlossenen Widerstand gegen jegliche Unabhängigkeitspläne des von Serbien wegstrebenden Kosovo an.

Auf der Wahlliste der Sozialisten des verstorbenen Autokraten Slobodan Milosevis ist der Elektro-Techniker mit seiner Kleinstpartei „Bewegung der Kriegsveteranen Serbiens“ ins Parlament gelangt. Und für den seit 1999 von der UNO verwalteten Kosovo würde der Veteran des Kroatien-Krieges wieder in die Schlacht ziehen. Keinesfalls wolle er aber außerhalb der Staats-Institutionen operieren, sagte der 44-Jährige zur „Presse“: „Aber wenn die Albaner den Kosovo für unabhängig erklären, wird unsere Garde Serbiens Armee und Polizei zur Seite stehen.“

Die „Garde des Heiligen Zar Lazar“ lautet der klangvolle Name der Freischärler-Organisation, die Vasiljevic im Mai aus der Taufe gehoben hate. Deren genaue Stärke – als Namensgeber dient der Serbenfürst Lazar, der 1389 bei der legendären Schlacht auf dem Amselfeld gegen die Türken fiel – will er aber nicht preisgeben.


„Waffen gibt es im Land genug“

Die Gruppe, die sich aus „erfahrenen Veteranen“ rekrutieren soll, habe keine festen Strukturen und „offiziell keine Waffen“. Doch könne sie auf 25.000 Sympathisanten in den Nachfolgestaaten Jugoslawiens zählen, behauptet der selbst ernannte Vaterlandsverteidiger. Auch die rasche Bewaffnung seiner Mannen zur Verteidigung des inzwischen zu 95 Prozent von Albanern bewohnten Kosovo hält der Serbe für kein Problem: „Waffen gibt es im Land genug.“

Mit ihren Kriegsdrohungen sorgt die Lazar-Garde regelmäßig in der albanischen und serbischen Presse für Schlagzeilen: Zuletzt forderte sie von Serbiens Parlament eine „Kriegserklärung“, falls Nato und UN-Verwaltung den Kosovo nicht verlassen sollten. Auf letztere ist die Garde seit dem Wochenende noch schlechter zu sprechen: Sie untersagten den Lazar-Jüngern, eine Protestveranstaltung in der geteilten Stadt Kosovska Mitrovica abzuhalten. Als Ersatzhandlung machte sich ein Grüppchen von rund 30 Männern auf den Weg zur Verwaltungsgrenze zum Kosovo.


Alkoholiker und Verwirrte

Diese Zahl entspricht der Einschätzung von Zoran Dragisis, Professor für Militärfragen an der Universität Belgrad, über die Stärke der Garde: Ihren harten Kern schätzt er auf ein paar Dutzend Aktivisten. Zwar behauptete die Organisation, über „hochkarätige Militärs“ zu verfügen. Doch gesehen habe man diese noch nie: „Die Leute machen viel Wind in den Medien, doch ernst zu nehmen sind sie kaum.“

Einige Aktivisten seien Alkoholiker, andere „Verwirrte“, die ins Gefängnis „oder noch eher in Behandlung“ gehörten, sagt Dragisis. Doch auch wenn die Garde seiner Ansicht nach ihre Drohungen kaum wahrmachen könne, schade sie Serbiens Interessen: Ihr Gepolter sei Argumentationshilfe „für die Propaganda der Kosovo-Albaner“ und willkommene Rechtfertigung für die Extremisten der Albanischen Nationalarmee (AKSh), die für die Vereinigung der albanischen Gebiete in Kosovo, Mazedonien und Südserbien streitet.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.10.2007)

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