Liberia: Ex-Rebellenführer gesteht 20.000 Morde

16 Jahre trieb Joshua Milton Blahyi seine Truppen erbarmungslos in die Schlachten im liberischen Bürgerkrieg. Jetzt will er sich dafür verantworten.

(c) AP (James Fasuekoi)

Jahrelang gehörte Joshua Milton Blahyi zu den gefürchtetsten Männer im westafrikanischen Küstenstaat Liberia. Als Rebellenkomandant "General Butt Naked" (General Splitternackt) verbreitete er zwischen 1980 und 1996 Angst und Schrecken. Nun ist er freiwillig aus seinem ghanesischen Exil zurückgekehrt, um sich vor der liberischen Wahrheits- und Versöhnungskommission für die Ermordung von 20.000 Menschen zu verantworten.

Mit seinen Truppen, die er stets zur Einschüchterung der Gegner nur mit Armeestiefeln bekleidet in den Kampf schickte, trage er Schuld am Tod dieser Menschen, erklärte der heute 37-jährige Blahyi nach seiner ersten Befragung vor der Kommission. Vor jedem Kampf habe er "dem Teufel ein Menschenopfer gebracht". Zumeist wurde dabei ein Kind getötet, das Herz zerteilt und unter den Soldaten aufgeteilt. 1996 sei ihm während eines Kampfes Gott erschienen und habe ihm klar gemacht, dass er "von Satan versklavt" sei. Daraufhin stellte "General Butt Naked" seine Kampfhandlungen ein ließ sich ein zweites Mal taufen und begann zu predigen.

"Vergebung wäre der richtige Weg"

Blahyi erklärte vor der Versöhnungskommission, dass er jedes Urteil annehmen würde: "Man könnte mich auf den elektrischen Stuhl setzen, man könnte mich hängen, man könnte alle möglichen Strafen verhängen. Aber ich denke, Vergebung und Wiedergutmachung wäre der richtige Weg." Die Kommission ist jedoch gar nicht befugt, Urteile zu sprechen, sondern soll nur der Aussöhnung zwischen den Betroffenen sorgen.

Allerdings mehren sich in Liberia Stimmen, welche die Einsetzung eines Gerichtshofes für Kriegsverbrechen fordern. Insgesamt starben im liberischen Bürgerkrieg zwischen 1980 und 2003 mehr als 250.000 Menschen. Die Verantwortlichen sind bislang nur selten zur Verantwortung gezogen worden, viele der ehemaligen Warlords sind mittlerweile in hohen politischen Ämtern zu finden. (Ag./Red.)

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